Neuro-Depesche 11-12/17

Über 60 Jahre nachverfolgt

Sterblichkeit und Todesursachen bei MS

In einer norwegischen Kohortenstudie wurde über 60 Jahre nachverfolgt, woran MS-Patienten sterben und ob ihre Mortalität gegenüber der Bevölkerung erhöht ist. Das scheint auch heute noch so zu sein, aber offenbar geht es bergauf.

Alle 1388 zwischen 1953 und 2012 in der Region Hordaland an einer MS erkrankten Patienten wurden eingeschlossen. Von den 533 Männern und 855 Frauen litten 87% an einer schubförmig-remittierenden (RRMS), die übrigen an einer primär-progressiven MS (PPMS). Nach dem norwegischen Sterberegister waren am 31. Dez. 2012 291 MS-Patienten (21%) verstorben, davon 131 Männer (45%) und 160 Frauen (55%). Als primäre Todesursache wurde in mehr als der Hälfte (56,4%) die MS angegeben. An einzelnen Krankheiten verstarben die Patienten – ohne signifikante Unterschiede in der standardisierten Mortalitätsrate (SMR) gegenüber der Bevölkerung (p = 0,0871) – am häufigsten an kardio-/zerebrovaskulären sowie Krebserkrankungen (14,8% bzw. 14,1%). Auf alle sechs hier berücksichtigten Krankheiten wirkten sich weder das Geschlecht (p = 0,35) noch die MS-Verlaufsform (p = 0,49) signifikant aus. Gegenüber der Lebenserwartung der Bevölkerung von median 81,8 Jahren war die Lebensspanne der MS-Patienten insgesamt signifikant um knapp sieben Jahre auf 74,7 Jahre verkürzt (p < 0,001) – auf 77,2 Jahre bei den Frauen und 72,2 Jahre bei den Männern (p < 0,001). Mit zunehmendem Alter bei MS-Beginn sank die SMR schrittweise: von 7,3 für die mit < 20 Jahren auf 1,3 für die mit > 60 Jahren Erkrankten (p < 0,0001). Ab MS-Beginn betrug die mediane Überlebenszeit bei Männern 35,7 Jahre (Bev.: 49,6 Jahre) und bei Frauen 42,6 Jahre (Bev.: 55,6 Jahre). Sie war aufgrund des aggressiveren Verlaufs bei den PPMS-Patienten gegenüber den RRMS-Patienten überaus deutlich verkürzt (25,5 vs. 42,8 Jahre). Auch die Lebenserwartung fiel für Patienten mit RRMS mit 77,8 Jahren deutlich geringer aus als für jene mit einer PPMS mit 71,4 Jahren (p < 0,001). Die SMR gegenüber der Bevölkerung war insgesamt um fast das Dreifache erhöht: Sie betrug insgesamt 2,7 (p < 0,0001) – 2,9 bei den Frauen und 2,5 bei den Männern mit MS (p = 0,0009). Auch in der SMR schnitten die Patienten mit RRMS (2,4) signifikant besser ab als jene mit einer PPMS (3,9; p < 0,0001). Über die Jahrzehnte ist die SMR erfreulicherweise stark gesunken: Von 3,1 bei MS-Beginn 1953–1974 über 2,6 (1975–1996) auf zuletzt 0,7 (1997– 2012) (p < 0,0083). HL


Quelle:

Lunde HMB et al.: Survival and cause of death in multiple sclerosis: a 60-year longitudinal population study. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2017; 88(8): 621-25



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