Neuro-Depesche 7-8/2017

Fallbericht: Therapierefraktäre bipolare Störung mit Suizidalität

Schnelle Remission unter Ketamin – allerdings nur für kurze Zeit

Ketamin-Infusionen bei therapierefraktärer Depression werden derzeit intensiv diskutiert. Ein Fallbericht aus Spanien bestätigt die bemerkenswerten Wirkungen dieses NMDA-Rezeptorantagonisten, aber auch, dass diese von relativ kurzer Dauer sind.

Die 45-Jährige Frau mit bipolarer Störung wurde nach einem Suizidversuch stationär aufgenommen. Als Gründe gab sie Gefühle von Hoffnungslosigkeit und starke Angst an. Die Medikation der Patientin wurde daraufhin mehrmals verändert (Antidepressiva, Stimmungsstabilisierer, Antipsychotika), und verschiedene intensive Psychotherapieprogramme wurden angewendet – ohne Erfolg. Ein pharmakogenetischer Test zur Identifikation geeigneter Medikamente verlief negativ. Eine Elektrokrampftherapie lehnte die Patientin ab.
Sechs Monate nach dem Klinikaufenthalt erhielt die Frau zusätzlich zu ihrer bisherigen oralen Medikation, die Angst, Impulsivität und Schlafstörungen reduziert hatte, nun (off label) über zwei Wochen insgesamt sechs 40-minütige Ketamin-Infusionen (0,5 mg/kg KG). Da Studien eine Verstärkung der Ketamin-Wirkung durch Benzodiazepine gezeigt hatten, bekam sie zusätzlich Alprazolam.
Bereits wenige Stunden nach der ersten Infusion zeigte sich eine eindrucksvolle klinische Besserung: Die Depressivität (nach der Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale, MADRS) und die Suizidgedanken (nach der InterSePT Scale for Suicidal Thinking, ISST) wurden signifikant reduziert. Dieser Effekt hielt über die zwei Behandlungswochen und zwei weitere Wochen an. Die nun euthyme Patientin erholte sich auch funktionell.
Leider fand diese positive Entwicklung in der fünften Woche ein jähes Ende: Schlagartig trat die depressive Symptomatik wieder auf, und die Frau musste wegen eines erneuten Suizidversuchs wieder aufgenommen werden.
Die akuten Nebenwirkungen von Ketamin, hauptsächlich Sedierung, verschwanden innerhalb von zwei Stunden nach der Infusion. Psychotomimetische oder dissoziative Effekte wurden nicht beobachtet. Auch die Vitalparameter veränderten sich nicht. GS

Quelle:

López-Díaz A et al.: Use of repeated intravenous ketamine therapy in treatment-resistant bipolar depression with suicidal behaviour: a case report from Spain. Ther Adv Psychopharmacol 2017; 7: 137-40



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