Neuro-Depesche 11-12/17

Therapie mit Ropinirol und L-Dopa

Risikofaktoren für Tagesmüdigkeit und Depression?

Die Auffassung ist etabliert, dass dopaminerge Therapien, insbesondere Dopaminagonisten, bei Parkinson-Patienten als Nebenwirkung eine (teils massive) Tagesmüdigkeit hervorrufen können. Risikofaktoren dafür – und den möglichen Einfluss einer Depression – wurden jetzt in einer nicht kleinen Patientenkohorte untersucht, die mit Ropinirol und L-Dopa behandelt wurde.

An neun südkoreanischen Universitätskliniken rekrutierten die Neurologen zwischen 2013 und 2015 413 Patienten im durchschnittlichen Alter von 65,2 (± 9,0) Jahren, die sich im Hoehn & Yahr-Stadium von durchschnittlich 2,2 befanden. Sie wurden in den letzten sechs Monaten mit einer stabilen Parkinson-Medikation behandelt. Eine exzessive Tagesmüdigkeit wurde bei einem Score > 10 auf der Epworth Sleepiness Scale (ESS) konstatiert (n = 125), eine Depression bei einem Score > 17 auf der Geriatric Depression Scale mit 30 Items (GDS-30, n = 97). Die zahlreichen in der univariaten Analyse gefundenen Zusammenhänge zwischen Tagesmüdigkeit bzw. Depression und demographischen bzw. klinischen Merkmalen wurden unter Adjustierung auf zahlreiche Faktoren überprüft, darunter waren komorbide Krankheiten, H&Y-Stadium, Motorik und Aktivitäten des täglichen Lebens (nach UPDRS Teil III bzw. II). Die multivariate logistische Regressionsanalyse ergab jeweils unabhängige signifikante Risikofaktoren einer exzessiven Tagesmüdigkeit für das Lebensalter zum Untersuchungszeitpunkt (Odds Ratio: 1,735), beeinträchtigte Aktivitäten des Lebens nach UPDRS II (OR: 1,070) und die Depressivität nach der GDS-30 (OR: 1,041), nicht aber die Ropinirol-, L-Dopa bzw. L-Dopa-Äquivalenzdosen. Motorische Fluktuationen hatten nur einen tendenziellen Einfluss (OR: 1,657; p = 0,055) Für eine Depression erwiesen sich weibliches Geschlecht (OR für Männer: 0,383), die UPDRS-II-Werte (OR: 1,129) und die exzessive Tagesmüdigkeit (OR: 1,129) als jeweils unabhängige signifikante Risikofaktoren. Auch auf die Depression hatte die dopaminerge Medikation keinen signifikanten Einfluss. HL

Kommentar

Den meisten bisherigen Studien zufolge sind männliches Geschlecht, lange Krankheitsdauer, Schwere der motorischen Symptome und Dopaminagonisten-Behandlung (insbesondere in hohen Dosen) Risikofaktoren für eine Tagesmüdigkeit. Dass sich in dieser Querschnittsstudie keine signifikanten Einflüsse der Dopaminergika auf die Risiken ergaben – weder hinsichtlich Tagesmüdigkeit noch Depression – können die Autoren nicht näher erklären. Das aktuelle Ergebnis trägt zur Uneinheitlichkeit der Studienlage bei.


Quelle:

Kang SY et al.: Sleepiness and depression in Parkinson‘ s disease patients treated with ropinirole and levodopa. J Mov Disord 2017; 10(3): 123-9



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