Neuro-Depesche 11-12/17

Achtjahresdaten

Persistenz und Adhärenz unter „Injectables"

Ein kanadisches Team untersuchte über annähernd acht Jahre die Persistenz mit den klassischerweise als First-line-Therapie eingesetzten Basistherapeutika, die Gründe für Therapieunterbrechungen und die Adhärenz der Patienten.

Ausgewertet wurden die Daten aller 721 Erwachsenen (74,2% weiblich) mit einer im durchschnittlichen Alter von 37,6 Jahren diagnostizierten MS, die zwischen 1996 und 2011 IFNb-1b s.c. (33,4%), IFNb-1a s.c. (22,9%), IFNb-1a. i.m. (22,5%) oder Glatirameracetat (GA; 21,2%) erhalten hatten. Im Follow-up-Zeitraum von median 7,8 Jahren betrug das mediane Intervall bis zu einem Therapieabbruch 4,2 Jahre. In diesem primären Studienendpunkt unterschieden sich die vier untersuchten DMT-Präparate untereinander nicht signifikant. Nach dem ersten Jahr nahmen noch 84% der Patienten ihr erstverordnetes Mittel ein, nach den ersten zwei Jahren sank dieser Anteil aber auf 50%. Eine etwas geringere Abbruchwahrscheinlichkeit fand sich bei den zu Behandlungsbeginn älteren Teilnehmern (adjustierte Hazard Ratio: 0,97; 95%-KI: 0,96–0,98). Ein höheres Abbruchrisiko bestand u. a. bei einer vorherigen MS-bedingten stationären Behandlung (HR: 1,40) und einem längeren Intervall zwischen MS-Diagnose und Therapiebeginn (> 730 Tage, HR: 1,65). Die gute Nachricht: Von den 451 abbrechenden Patienten (62,6% der Gesamtkohorte) nahmen 259 (57,4%) erneut eine MS-Therapie auf – entweder mit dem bisherigen oder einem anderen DMT. Zumeist geschah dies binnen Jahresfrist (73,4%), seltener in Jahr 1–2 (13,1%) oder danach (13,5%). 125 Patienten switchten dabei zu einem anderen First-line-„Injectable“ (und 34 wechselten zweimal). Der Anteil adhärenter Patienten stieg mit der Länge der Therapiepersistenz und umgekehrt: Eine optimale Adhärenz (Einnahme von ≥ 80% der verordneten Dosen) fand sich bei 80,0% der im ersten Jahr, bei 83,5% der drei Jahre lang und bei 86,0% der fünf Jahre lang ununterbrochen behandelten Patienten. Andererseits blieben Patienten mit guter Adhärenz im ersten Therapiejahr mit einer größeren Wahrscheinlichkeit bei ihrem DMT als jene mit suboptimaler Adhärenz (adj. HR: 0,58, 95%-KI: 0,45–0,75). HL

Kommentar

In dieser Studie fanden sich eine relativ günstige Adhärenz und Langzeit-Persistenz: Trotz zeitweiser Unterbrechungen wurden mehr als 50% der Patienten über vier Jahre mit klassischen „Injectables“ behandelt.


Quelle:

Melesse DY et al.: Persistence to disease-modifying therapies for multiple sclerosis in a Canadian cohort Patient Prefer Adherence 2017;11: 1093-101



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