Neuro-Depesche 9/2017

Möglicher Umwelteinfluss

Parkinson-Risiko durch fettreduzierte Milch?

Der Verzehr von Milchprodukten könnte das Risiko erhöhen, einen Morbus Parkinson zu entwickeln. Nun untersuchten US-Neurologen in einer großen Kohorte, ob Milchprodukte generell oder aber fettreduzierte Varianten das Parkinson-Risiko beeinflussen.

Das Datenmaterial stammte aus den beiden großen prospektiven Kohortenstudien Nurses‘ Health Study (n = 80 736) und Health Professionals Follow-up Study (n = 48 610) mit einem Follow-up von 26 bzw. 24 Jahren. 1036 Personen erkrankten an einem Morbus Parkinson. Zweimal im Jahr waren die Ernährungsgewohnheiten per Fragebögen erfasst worden.
Während die Gesamtzufuhr an Milchprodukten keinen signifikanten Zusammenhang mit dem Parkinson-Risiko zeigte (Hazard Ratio: 1,16; 95%-KI: 0,92–1,48; p = 0,19), traf dies auf die Submenge der fettreduzierten Lebensmittel zu: Gegenüber Personen, die keine fettreduzierten Produkte zu sich nahmen (n = 48 885), war die gepoolte, auf mehrere Variablen adjustierte Wahrscheinlichkeit eines Morbus Parkinson für Menschen mit täglichem Konsum von ≥ 3 Portionen (n = 3436) um 34% erhöht (HR: 1,34; 95%-KI: 1,01–1,79: p = 0,04).
Das Risiko wurde offenbar getrieben durch die Zufuhr von entrahmter und fettreduzierter Milch (HR: 1,39; 95%-KI: 1,12–1,73, p < 0,01). Frauen und Männer waren dabei praktisch gleich Maß betroffen (Heterogenität: p > 0,05). Detailanalysen ergaben in übrigem keinen Zusammenhand zwischen der Menge der Milchprodukt- Bestandteile wie Protein, Laktose, Kalzium und Vitamin D. Interessanterweise ging der Trend für den Konsum von Vollfett- Milchprodukten in die umgekehrte Richtung, das Parkinson-Risiko war eher verringert, allerdings ohne Signifikanz.
Einer Metaanalyse zufolge, die noch drei weitere Studien zur Ernährung (mit 1725 Parkinson- Fällen) einschloss, war das gepoolte relative Risiko (RR) für einen Morbus Parkinson bei extrem hohem Konsum von Milch sogar um 56% erhöht (RR: 1,56; 95%-KI: 1,30–1,88). In dieser Auswertung war auch die Assoziation zwischen Gesamtzufuhr an Milchprodukten und dem Morbus Parkinson mit einer Risikosteigerung um 27% signifikant (HR: 1,27; 95%-KI: 1,04–1,55). HL

Kommentar

Es werden verschiedene exogene Einflüsse diskutiert, die das Risiko für einen Morbus Parkinson erhöhen könnten. Schon 2002 wurde auf Zusammenhänge mit dem Verzehr von Milchprodukten hingewiesen. Eine (geschlechterunabhängige) Risikoerhöhung wurde nun in dieser Auswertung mit mehr als 1000 Parkinson-Fällen bestätigt – jedenfalls was den Konsum fettreduzierter Milch betrifft. Mögliche Mechanismen umfassen einen antiurämischen Effekt, da Harnsäure vor einer Parkinson-Erkrankung zu schützen scheint. Eine erhöhte Pestizid-Aufnahme scheint dagegen weniger wahrscheinlich.


Quelle:

Hughes KC et al.: Intake of dairy foods and risk of Parkinson disease. Neurology 2017 [Epub 8. Juni; doi: 10.1212/WNL.0000000000004057]



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