Neuro-Depesche 9/2017

Bei peripherer Neuropathie

Lindert Peroneus-Dekompression auch die RLS-Symptome?

Ein RLS geht häufig mit anderen neurologischen und psychiatrischen Krankheiten einher. Auch Patienten mit einer peripheren Neuropathie berichten häufig RLS(-artige)-Symptome. In einer retrospektiven Auswertung in den USA wurde nun untersucht, ob die chirurgische Nerven-Dekompression die RLS-Symptomatik der Patienten verringern kann.

Ausgewertet wurden die Daten von 42 Patienten mit einer diabetischen (n = 14) oder nicht-diabetischen (n = 28) peripheren Neuropathie. Die elf Männer und 31 Frauen waren zum Zeitpunkte der RLS-Diagnose im Durchschnitt etwa 63 Jahre alt. Allerdings war nicht exakt zwischen einem primären und einem sekundären RLS unterschieden worden.
Alle unterzogen sich an der University of Colorado einer chirurgischen Dekompression des – motorische und sensible Anteile enthaltenden – N. peroneus (syn. fibularis) communis und superficialis, wie sie bei peripheren Neuropathien üblich ist. Zum Teil wurde auch der N. tibialis auf verschiedenen Höhen entlastet.
Vor der Operation und 15 Wochen danach bewerteten die Patienten verschiedene RLS-artige Symptome anhand einer Visuell- Analog-Skala VAS (0–10), darunter Schmerzen, Brennen, Taubheit, Kribbeln, Schwäche, Gleichgewicht, Engegefühl, Ziehen, Krampfen, Zappeln/Zucken und Pochen.
Die Behandelten berichten in allen VAS-Kategorien signifikante Besserungen (je p < 0,01) mit Ausnahme des „Ziehens“ (p = 0,14). Diese vorteilhaften postoperativen VAS-Änderungen waren negativ korreliert mit den präoperativen VAS-Summen- (r = -0,58; p < 0,001) und Einzel-Werten (je p < 0,01). Daies bedeutet, dass die relativ stärksten Besserungen bei den Patienten auftraten, die vorher die stärksten Beschwerden berichtet hatten.
Die Therapieeffekte waren im Übrigen unabhängig vom Geschlecht der Patienten und der diabetischen/nicht-diabetischen Ursache ihrer Neuropathie. JL

Kommentar

Ein sekundäres RLS tritt häufig bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder Eisenmangel sowie − wie hier − bei einer peripheren Neuropathie auf. Nach anekdotischen Berichten einiger Chirurgen über postoperative Besserungen ist dies die erste Studie, die für eine deutliche Verbesserung der RLS-Symptome nach einer chirurgischen Dekompression des N. peroneus spricht. Aufgrund der retrospektiven Natur dieser Untersuchung waren weder Eisenmangel noch andere RLS-typische Befunde erhoben oder Schweregradskalen eingesetzt worden. In weiteren Studien sollten nun der spezifische symptomatische Benefit anhand validierter RLS-Skalen und zusätzlich die Effekte auf die Schlafqualität der Patienten untersucht werden. Vor allem stellt sich die Frage, für welche RLS-Patienten die Therapie am ehesten infrage kommt. Die Autoren spekulieren, dass es jene sein könnten, die auf mehrere medikamentöse RLS-Therapie nicht (ausreichend) ansprechen.


Quelle:

Anderson JC et al.: Nerve decompression and restless legs syndrome: a retrospective analysis. Front Neurol 2017; 8: 287 [Epub 6. Juli; doi: 10.3389/fneur.2017.00287]



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