Neuro-Depesche 9/2017

Gesundheitszugang vor und nach 2008

Krise? Welche Krise?

Hatte die weltweite Finanzkrise 2008 Auswirkungen auf den Zugang ärmerer Menschen zu Gesundheitsleistungen? Eine binationale Forschergruppe untersuchte die Situation vor und nach dem Schicksalsjahr in Deutschland und Spanien. Das erstaunliche Resultat der Analyse: „Crisis? What Crisis?“

Grundlage waren die Daten des deutschen Socio- Economic Panel (SOEP) 2006 bis 2011 und spanischweiter Bevökerungsbefragungen. Die sozioökonomische „Position“ der Personenkreise wurde anhand des Ausbildungsstandes und des familiären Haushaltseinkommens definiert.
In fast allen sozioökonomischen Kategorien stieg der Prozentsatz an Arztbesuchen/Krankenhausaufnahmen zwischen 2006 und 2011 in Deutschland, während er in Spanien sank. In beiden Zeitabschnitten ergab sich nach Adjustierung der Daten auf Alter, Geschlecht, Art der Krankenversicherung, sebstberichteter Gesundheitsstatus für Personen mit einem niedrigeren Bildungsstand hierzulande eine geringere Zahl an Arztbesuchen und für Menschen mit einem niedrigeren Einkommen eine erhöhte Rate an Krankenhausaufnahmen.
Zwischen den beiden Zeitperioden fand sich in Deutschland aber kaum ein Unterschied. Der Vergleich der beiden niedrigsten mit den beiden höchsten sozioökonomischen Kategorien ergab: Die prozentuale Verhältnisrate für Arztbesuche lag bei 0,97 (2006) und 0,96 (2011) und für Hospitalisierungen bei 1,14 in 2006 und 1,12 in 2011.
Auch im wirtschaftlich deutlich schlechter gestellten Spanien fanden sich in der Inanspruchannahme dieser Gesundheitsleistungen im volladjustierten Modell vor und nach 2008 keinerlei signifikante sozioökonomische Unterschiede. JL

Kommentar

Entgegen intuitiver Annahmen hat die Finanzkrise 2008 den sozioökonomisch-definierten Zugang zu Gesundheitsleistungen offenbar nicht verändert. Dabei ging die Arbeitslosenquote hierzulande von 8,6% (2007) auf 5,0% (2011) zurück, während sie in Spanien von 8,4% auf 21,7% stieg. Die deutschen Gesundheitsausgaben wuchsen 2007 um 4,4%, 2011 noch um 3,3% (Spanien: +8,0% vs. -3,3%).


Quelle:

Lostao L et al.: Socioeconomic position and health services use in Germany and Spain during the great recession. PLoS One 2017; 12(8): e0183325 [30. Aug.; doi: 10.1371/journal.pone.0183325]



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