Neuro-Depesche 11-12/17

Kindlicher IQ und Todesursachen

Kluge Kinder sterben seltener an ...

Studien haben gezeigt, dass intelligente Kinder länger leben. In einer prospektiven Studie an knapp 65 000 Menschen mit einem Follow-up von bis 68 Jahren fanden sich jetzt Verbindungen zwischen dem Intelligenzquotienten (IQ) im Kindealter und der Sterblichkeit an diversen Krankheiten, darunter KHK, Schlaganfall und Krebs.

Die Kohorte bestand aus 33 536 Männern und 32 229 Frauen, die 1936 geboren worden waren und bei denen im Alter von elf Jahren im Rahmen der Scottish Mental Survey 1947 (SMS1947) der IQ bestimmt worden war, und deren Todesursache im Dez. 2015 vorlag. Der IQ in der Kindheit war invers korreliert mit allen geprüften Haupttodesursachen. Die auf Alter und Geschlecht adjustierten Wahrscheinlichkeiten pro eine IQ-Standardabweichung (ca. 15 Punkte) waren am stärksten für Atemwegserkrankungen (Hazard Ratio: 0,72), koronare Herzkrankheit (KHK; HR: 0,75) und Schlaganfall (HR: 0,76). Weitere signifikante Assoziationen fanden sich für einen verletzungsbedingten Tod (HR: 0,81), Nikotinkonsum- bezogene Malignome (HR: 0,82), gastrointestinale Krankheiten (HR: 0,82) und Demenz (HR: 0,84) (je p < 0,001). Lediglich schwache Zusammenhänge mit einem höheren IQ zeigten sich für Suizide (HR: 0,87; 0,74–1,02) und Nicht-Nikotinkonsum-bezogene Malignome (HR: 0,96; 0,93–1,00). Bei einigen Krankheiten war der Zusammenhang zwischen kindlichem IQ und Todesursache bei Frauen signifikant stärker ausgeprägt: KHK (p < 0,001), Nikotinkonsum-bezogene Malignome (p < 0,02), Atemwegserkrankungen (p < 0,001) und Demenz (p < 0,02). Unter den einzelnen malignen Neubildungen korrelierte der kindliche IQ invers mit Malignomen von Lunge (HR: 0,75), Magen (HR: 0,77), Blase (HR: 0,81), Ösophagus (HR: 0,85), Leber (HR: 0,85), Kolon/Rektum (HR: 0,89) und blutbildendem System (HR: 0,91). Die Sensitivitätsanalysen in einer repräsentativen Subgruppe ergab, dass sich der geschätzte Effekt des IQ durch Adjustierung auf potenzielle Einflussfaktoren lediglich in geringem Umfang (um 10%–26%) abschwächte. HL

Kommentar

Für den Zusammenhang zwischen höherem IQ in der Kindheit und den deutlich verringerten Mortalitäten gibt es verschiedene Hypothesen. So könnten bessere kognitive Leistungen einen gesünderen Lebensstil (vor allem mit Nikotinverzicht, aber auch mit körperlicher Bewegung), einen höheren sozioökonomischen Status und die Inanspruchnahme medizinischer Ressourcen fördern.


Quelle:

Calvin CM et al.: Childhood intelligence in relation to major causes of death in 68 year follow-up: prospective population study. BMJ; 357: j2708 [Epub 2017 28. Juni; doi: 10.1136/bmj.j2708]



Das könnte Sie auch interessieren

Die neue Generation der Endometrium-Ablation
GFI Der Medizin-Verlag

Anschrift

GFI. Gesellschaft für medizinische Information mbH
Paul-Wassermann-Straße 15
81829 München

Telefon: +49 89 4366300
Fax: +49 89 436630210
E-Mail: info@gfi-online.de

Copyright © 2017, GFI | AGB | Sicherheit und Datenschutz | Impressum