Neuro-Depesche 10/2017

Gewalttätigkeit nach Entlassung aus der Psychiatrie

Ärger droht, wenn die Patienten weiter kiffen

Substanzkonsum kann sowohl psychiatrische Symptome als auch Gewalttätigkeit fördern. Anders als für Alkohol und Kokain ist die Studienlage zu dem – allgemein eher friedfertig stimmenden – Cannabis dürftig. Ob ein fortgesetzter Konsum von psychiatrischen Patienten nach deren Entlassung einen Einfluss auf gewalttätiges Verhalten hat, prüften prospektiv jetzt kanadische Psychiater.

Eingeschlossen wurden 1136 Teilnehmer der MacArthur Risk Assessment Study, die u. a. wegen einer affektiven (52,6%), schizophrenen (21,6%) oder Suchterkrankung (23,9%) stationär behandelt worden waren. Sie wurden nach ihrer Entlassung im mehrmonatigen Follow- up fünfmal auf Cannabis-Einnahme und gewalttätiges Handeln (Angriffe/Bedrohung mit und ohne Waffen, Vergewaltigung etc. nach dem MacArthur Community Violence Instrument, MCVI) untersucht. Dies traf auf 23,3% (T1), 22,1% (T2), 14,7% (T3), 14,1% (T4) und 12% (T5) der Patienten zu.
Die Modellrechnungen zeigten einen unidirektionalen Zusammenhang zwischen Cannabis- Konsum (zu einem der Nachuntersuchungszeitpunkte) und Gewalt. Bei Patienten, die zu einem (16,5% der Befragten), zwei (8,1%), drei (8,1%) oder vier Follow-up-Zeitpunkten (5,4%) angaben, Cannabis konsumiert zu haben, war die Wahrscheinlichkeit für gewalttätiges Verhalten signifikant und „dosisabhängig“ erhöht (Odds Ratio: 1,60, 1,91, 2,72 bzw. 4,04). Adjustiert auf Impulsivität, Psychopathologie, Alkohol- und Kokainkonsum lag die Odds Ratio bei zwei, drei und vier Cannabis- positiven Zeitpunkten immerhin noch bei 1,71, 2,08 bzw. 2,44 (je p < 0,05). HL

Kommentar

Bei psychiatrischen Patienten ist nach der Entlassung auf einen Cannabis-Konsum zu achten. Konstant fortgesetzt kann dieser das Risiko für gewalttätiges Handeln um etwa das Zweieinhalbfache erhöhen.




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