Neuro-Depesche 5/2009

„Parkinsonismus-Hyperpyrexie-Syndrom“

Absetzen von Dopaminergika vermeiden

Durch eine Dosisreduktion oder das abrupte Absetzen der Parkinson-Medikamente, insbesondere L-Dopa, kann sich ein „Parkinsonismus-Hyperpyrexie-Syndrom“ (PHS) entwickeln, das klinisch einem malignen Neuroleptika-Syndrom ähnelt. Schottische Neurologen geben jetzt einen Überblick über dieses recht seltene, aber unter Umständen durchaus tödliche Störungsbild.

Klinische Kennzeichen des PHS sind 18 Stunden bis 7 Tage nach dem Absetzen auftretender schwerer Rigor, Fieber und Bewusstseinseinschränkungen bis zum Koma, die begleitet sein können von vegetativen Störungen wie Tachykardie und Hypertonie. Die Werte der Creatinkinase (CK) im Serum sind oft erhöht. Das PHS kann kompliziert werden durch Rhabdomyolyse, akutes Nierenversagen, Aspirationspneumonie, tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, Krampfanfälle und eine disseminierte intravasale Gerinnung (DIC). Die Mortalität beträgt bis zu 4%, etwa ein Drittel der Patienten erleidet irreversible Langzeitfolgen.

Die Behandlung besteht außer in der Therapie der Komplikationen in der Gabe dopaminerger Medikamente (ggf. durch Magensonde oder i.v.) in der vorherigen Tagesdosis sowie in unterstützenden Maßnahmen wie Monitoring des zentralen Venendrucks, Fiebersenkung, Flüssigkeitszufuhr, Beatmung, prophylaktische Antibiotika-Gabe, Muskelrelaxanzien etc.. Die Prognose ist bei früher Erkennung und Behandlung besser.

Die Autoren warnen Ärzte und die Parkinson-Patienten selbst ausdrücklich vor abrupten Medikations-Reduktionen und empfehlen zudem, bei jedem Parkinson-Patienten mit plötzlicher Symptomverschlechterung ein PHS in Erwägung zu ziehen. Besonders beachtet werden müssen Situationen wie akute Erkrankungen, bei denen die Medikamenteneinnahme nicht möglich ist, oder auch Operationen. JL


Quelle: Newman EJ: The parkinsonism-hyperpyrexia syndrome, Zeitschrift: Neurocritical care, Ausgabe 10 (2009), Seiten: 136-140


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