American Psychiatric Association (APA) 1. - 3. Mai 2021

Neuro-Depesche 5-6/2021

Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung gesetzt

Der komplett virtuell gehaltene Kongress der American Psychiatric Association (APA) stand ganz im Zeichen der aktuellen Entwicklungen gegen Rassismus und Diskriminierung von Personengruppen aufgrund von Ethnie, Geschlecht, sexueller Orientung und religiöser Ausrichtung. Hier einige wenige Beiträge zu verschiedenen beim APA diskutierten Themen und vorgestellten Studiendaten.
Erfahrungen mit Polizeigewalt bei jungen Schwarzen
In einer Online-Umfrage gaben 300 schwarze College-Studenten und -Studentinnen (im durchschnittlichen Alter von 20,4 Jahren) in St. Louis, Missouri, Auskunft zu ihren Erfahrungen mit Polizeigewalt. Ihr in der Lebenszeit persönlich ausgesetzt waren die Befragten durchschnittlich 1,89 Mal und Zeugen von Polizeigewalt gegen andere 7,82 Mal. Internet- oder TV-Videos zur Gewaltanwendung der Polizei hatten sie im Durchschnitt 34,5 Mal gesehen. In den drei Gruppen war die Schwere einer „Kontaktangst“ mit der Polizei auf einer Skala von 0 bis 24 mit jeweiligen Werten zwischen 13 und 14 Punkten im Durchschnitt mittelschwer ausgeprägt. Die männlichen Teilnehmer waren stärker betroffen als die weiblichen. Die Zahl einer direkten oder indirekten Gewaltexposition ohne Polizeibeteilung betrug durchschnittlich 10,9. Angststörungen sind bei jungen Schwarzen in den USA häufig.
 
Suizidal durch Cyber-Mobbing
Eine Auswertung von 16 Studien mit insgesamt mehr als 96.000 Kindern und Jugendlichen (11 - 18 Jahre alt) ergab eine Prävalenz an Cyber-Mobbing von 8,9 %. Bei einer großen Heterogenität zwischen den Studien wiesen die Betroffenen ein um mehr als das Zwölffache erhöhtes Risiko für Suizidgedanken (Odds Ratio [OR]: 12,3; p < 0,00001) und Suizidversuche (in sieben Studien OR: 7,84; p < 0,00001) auf als die übrigen Studienteilnehmer. Außerdem war das Risiko für selbstverletzendes Verhalten bei den online gemobbten Heranwachsenden massiv erhöht (in drei Studien: OR: 35,08; p < 0,00001).
 
BXCL501: Agitation sehr schnell verringert
Der orale α-2a-Rezeptoragonist Dexmedetomidin (BXCL501) kann eine Agitiertheit rasch und wirksam lindern: In den beiden randomisierten Phase-III-Studien SERENITY I (mit 380 Schizophrenie- Patienten) und SERENITY II (mit 380 Patienten Bipolar-Ioder -II-Störung) wurde die akute Erregung nach der PANSS-Excited Component (PEC) nach 2 h als primärer Endpunkt signifikant verringert. Der durchschnittliche PEC-Score sank in SERENITY I um 8,5 (120 μg) bzw. 10,3 (180 μg) gegenüber -4,8 unter Placebo und in SERENITY II um 9,0 (120 μg) bzw. 10,4 (180 μg) gegenüber -4,9 unter Placebo (je p < 0,0001). Zugleich wurden signifikante Besserungen des Globalzustandes nach der Skala Clinical Global Impression – Improvement (CGI-I) beobachtet. An Nebenwirkungen (Inzidenz je > 40 %) traten u. a. Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Hypotonie und Hyp-/Parästhesien auf. Gegenüber den notfallmäßig oft injizierten Antipsychotika oder Benzodiazepinen ist die Gabe der schnelllöslichen Filmtablette weniger invasiv.
 
rTMS bei Depression: Bis zu 63 % remittiert
Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) über dem dorsolateralen Präfrontalkortex (DLPFC) erwies sich bei fast 4.000 Patienten mit einer Major Depression als ausgesprochen wirksam: Ausgewertet wurden Registerdaten von 3.814 Patienten (durchschnittlich ca. 50 Jahre alt, zwei Drittel Frauen), die ≥ 20 rTMS-Sitzungen mit 10 Hz (57 % links-, 43 % beidseitig) erhalten und danach eine Bewertung mittels Patient Health Questionnaire (PHQ-9) abgegeben hatten. In den ITT- und Completer- Analysen betrugen die Ansprechraten nach PHQ-9 58 % - 83 % und die Remissionsraten 28 % - 62 %. In einer kleineren Stichprobe der Patienten mit ärztlicher Beurteilung nach Clinical Global Impressions - Severity (CGI-S) fielen sowohl die Responderraten (Besserung ≥ 50 %) mit 79 % - 83 % als auch die Remissionsraten mit 47 % - 63 % noch vorteilhafter aus. Kognitive oder andere schwere Nebenwirkungen traten nicht auf
 
Elterliche Haltung zur Homosexualität hat Folgen
Bei 77 schwulen und 98 lesbischen Personen wirkte sich die konsistent negative (28,6 %) oder positive (48,0 %) Haltung der Eltern zu ihrer sexuellen Orientierung anhaltend auf die psychische Gesundheit aus: Bei jenen Personen mit konsistent positiver elterlicher Einstellung fielen die Werte des Patient Health Questionnaire (PHQ-9) und des General Anxiety Disorder (GAD-7) stets vorteilhafter aus. Gegenüber den Eltern mit inkonsistenter Haltung (23,4 %) waren die Unterschiede jeweils signifikant (je p < 0,05). Dass dies beim direkten Vergleich der Gruppen mit konsistenter (negativer oder positiver) Einstellung nicht der Fall war, spricht dafür, dass es die Festigkeit der elterlichen Haltung ist, die für die spätere Schwere von Depression und Angst entscheidend sein kann. JL
 
Der APA-Kongress 2022 wird („hopefully“) als Präsenzveranstaltung in New Orleans stattfinden.
Die APA entschuldigt sich
„The APA Board of Trustees apologizes to its members, patients, their families, and the public for enabling discriminatory and prejudicial actions within the APA and racist practices in psychiatric treatment for Black, Indigenous and People of Color.“
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