Medikamenten-induzierter Kopfschmerz | Neuro-Depesche 5/2016

Zehnminuten-Intervention in kontrollierter Studie effektiv

Zertifizierte Fortbildung

Die Problematik eines Analgetika-induzierten Kopfschmerzes ist schwer in den Griff zu bekommen, Entzug ist die Therapie der Wahl. Nun prüften skandinavische Spezialisten unter kontrollierten Bedingungen, ob sich auch eine sehr einfache Kurzintervention bei diesen Patienten hilfreich auswirkt.

Diese Brief Intervention (BI) gegen den Medikamenten-induzierten Kopfschmerz (Medicationoveruse headache, MOH) bestand aus einem lediglich zehnminütigen Gespräch, in dem die Patienten über die Analgetika- Reduktion, mögliche Ersatzmedikamente und die Option der kurzzeitigen Krankschreibung beraten wurden.
Von 50 Hausärzten wurden 23 zu einem eintägigen BI-Training randomisiert, die übrigen 27 behandelten ihre Patienten wie gewöhnlich weiter (Business as usual, BAU). Von ursprünglich 25 486 mit der Severity of Dependence Scale gescreenten Patienten im Alter zwischen 18 und 50 Jahren wurde eine Stichprobe von 60 Patienten mit selbstberichtetem MOH an ≥ 15 und Analgetika-Einnahme an ≥ 10 Tagen/Monat und einer MOH-Diagnose nach ICHD-II ausgewertet.
Die BI-Gruppe (n = 24) war der BAU-Gruppe (n = 36) im primären Studienendpunkt, der Zahl der monatlich betroffenen Tage sechs Monate später signifikant überlegen (p < 0,001 bis 0,018): Die Kopfschmerz-Tage gingen in der BIGruppe mit einer zusätzlichen Abnahme von 5,9 Tagen/Monat (95%-KI: 1,1–10,8) deutlich stärker zurück als in der Kontrollgruppe. Dies traf auch auf die Zahl der Tage mit Analgetika- Einnahme zu, die um 6,2 Tage/Monat geringer ausfiel (95%-KI:1,1–11,3).
Insgesamt lag ein Analgetika-Übergebrauch nach sechs Monaten bei 71% der BI-Patienten (17/24) nicht mehr vor (BAU: 22%); und ein chronischer Kopfschmerz hatte sich bei 63% der BI-Patienten nach sechs Monaten aufgelöst, aber nur bei 11% in der BAU-Gruppe – auch diese Unterschiede waren signifikant (p < 0,001).
Die kopfschmerzbedingte Alltagsbeeinträchtigung nach dem Migraine Disability Assessment (MIDAS) und dem Headache Impact Test (HIT- 6) unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Ein MOH liegt bei etwa der Hälfte aller chronischen Kopfschmerzen vor, die Prävalenz in der Bevölkerung beträgt 1–2%. Die erstaunlich hohe, anhaltende Wirksamkeit der vom Hausarzt durchgeführten simplen Kurzintervention bietet – zumindest bei unkomplizierten Fällen – offenbar eine durchaus praktikable Therapieoption.

Quelle:

Kristoffersen ES et al.: Brief intervention by general practitioners for medication-overuse headache, followup after 6 months: a pragmatic cluster-randomised controlled trial. J Neurol 2016; 263(2): 344-53]

ICD-Codes: G44.4

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