Siponimod bei sekundär progredienter MS | Neuro-Depesche

Wirkt auch bei aktiver SPMS auf Behinderungsprogression, Kognition und Hirnatrophie

Das Anfang 2020 zur Behandlung der aktiven sekundär progredienten MS (SPMS) zugelassene Siponimod stellt die erste spezifische orale Therapie für diese Patienten dar. Welche Wirkungen der neue Sphingosin-1-Phosphat(S1P)-Rezeptormodulator auf die Behinderungsprogression sowie auf die Kognition und die Hirnatrophie der SPMS-Patienten hat, wurde jetzt in einem virtuellen „Media-Update“ von Novartis von MS-Experten berichtet. Wichtige Parameter der Krankheitspogression wurden deutlich gebessert.
Neue Studiendaten bzw. -auswertungen zu Siponimod bei der SPMS wurden jüngst auf dem (virtuell gehaltenen) 6. Kongress der Europäischen Academy of Neurology (EAN) präsentiert, berichtete Prof. Ralf Gold, Bochum.
Eine aktuell publizierte Post-hoc-Analyse der zulassungsrelevanten EXPAND-Studie zeigte in der Subgruppe von 779 Patienten mit aktiver sekundär progredienter Multipler Sklerose (≥ 1 Schub in den zwei Jahren vor Screening und/oder ≥ 1 Gadoliniumanreichernde T1-Läsion), dass die 516 Patienten unter Siponimod (2 mg/d) im Vergleich zu den 263 Patienten der Placebo- Gruppe ein um 37 % signifikant verringertes Risiko für eine nach 6 Monaten bestätigte Behinderungsprogression aufwiesen (p = 0,0040). Der Effekt war unabhängig davon, ob und wann die Teilnehmer mit einer anderen krankheitsmodifizierenden Therapie bzw. mit Interferon-beta vorbehandelt worden waren (je p < 0,05).
In einer Subgruppe von insgesamt 348 Patienten mit aktiver SPMS reduzierte Siponimod das Fortschreiten der Atrophie des Thalamus im Vergleich zu Placebo in Monat 12 um 40 % (-0,74 vs. -1,24; p < 0,001) und in Monat 24 um 34 % (-1,41 vs. -2,15; p < 0,05). Zugleich verringerte sich zu beiden Zeitpunkten die Atrophie der kortikalen grauen Substanz jeweils hoch signifikant (p < 0,0001) um 97 % (-0,02 vs. -0,68) bzw. 56 % (-0,50 vs. -1,14). Der Thalamus stellt eine wichtige Struktur für die Verschaltung sensibel-sensorischer Reize mit der Hirnrinde dar. So haben frühere Studien ergeben, dass kognitive Funktionseinbußen (außer mit der Behinderungsprogression der Patienten) u. a. mit der Atrophie der kortikalen grauen Substanz korrelieren.
Mit diesen Zusammenhängen harmoniert, dass die mit Siponimod behandelten Patienten in Monat 24 der EXPAND-Studie gegenüber denen unter Placebo eine um 51 % signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für eine anhaltende Verbesserung bei der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit aufwiesen (p = 0,0070), während das Risiko einer anhaltenden Verschlechterung dieses Kognitionsparameters signifikant um 28 % reduziert war (p = 0,0166). Dies ergaben die Veränderungen des etablierten Symbol-Digit-Modalities-Tests (SDMT).
„Die vorliegenden Daten zeigen erneut, dass Siponimod nicht nur hinsichtlich der physischen, mit sichtbarer Behinderung assoziierten Parameter hochwirksam ist“, betonte Gold auf der virtuellen Pressekonferenz. „Die Chance auf Erhalt oder gar Regeneration der kognitiven Fähigkeiten ist für Patienten meistens noch bedeutsamer, da diese sich unmittelbar auf die Alltagskompetenzen auswirken können.“ JL
Quelle: Virtuelle Pressekonferenz: „Novartis Neuroscience: Media-Update 2020“, 29. Juni 2020
ICD-Codes: G35

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