Optimierte Therapie der DAT

Neuro-Depesche 3/2012

Wirksame Antidementiva mit Training kombinieren

Als optimale Behandlung von Patienten mit einer Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT) gilt heute eine individuell angepasste Kombination aus medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapie. Mit dem NMDA-Antagonisten Memantin lassen sich die Selbstständigkeit der Betroffenen erhalten und der Erkrankungsverlauf verzögern. Die Betreuung sollte auch unter ethischen Gesichtspunkten einem ganzheitlichen Ansatz folgen und nicht zuletzt Patienten-/Angehörigen-zentriert sein.

Viele Alzheimer-Patienten erhalten immer noch unspezifische Psychopharmaka wie z. B. Neuroleptika, Antidepressiva und Benzodiazepine statt Antidementiva – und werden damit falsch behandelt, erläuterte Prof. Rainer Hellweg von der Charité Berlin. „Nur Antidementiva wie Memantin und Acetylcholinesterase-Hemmer können die Grunderkrankung wirksam und gezielt behandeln.“

Das Antidementivum Memantin – zugelassen zur Behandlung der moderaten und schweren DAT und in den aktuellen Leitlinien empfohlen – verbessert die glutamaterge Neurotransmission. Es kann die klinische Verschlechterung der Patienten signifikant verzögern, die kognitiven Defizite und die Einschränkungen positiv beeinflussen sowie den klinischen Gesamteindruck verbessern, wie detaillierte Responderanalysen kontrollierter klinischer Studien an 2506 Patienten zeigen. Aufgrund der Daten hatten das IQWiG und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den klinischen Nutzen bzw. die Verordnungsfähigkeit bestätigt. Nicht zuletzt kann durch eine bessere Bewältigung des Alltagslebens „auch die Einweisung in ein Pflegeheim hinausgezögert werden“, betonte Hellweg.

„Kein Patient geht ohne Behandlung nach Hause“, sagte Dr. Brigitte Grass-Kapankeüber ihre Arbeit am Gerontopsychiatrischen Zentrum in Krefeld. „Nicht-medikamentöse Maßnahmen als Zusatz zur Arzneimittel-Therapie sind ein wichtiger Baustein“. Neben reinen Bewegungstherapien und dem Training von alltagspraktischen Fähigkeiten und Selbstversorgung führt sie auch weniger etablierte Interventionen wie z. B. Krafttraining zur Minderung der Sturzgefahr, Realitätsorientierungstraining und Schulungen zur Erhöhung der häuslichen Sicherheit durch. Die sorgfältig auf den Einzelnen angepassten Maßnahmen dienen der Verringerung von Angst und Scham sowie der Stärkung des Selbstvertrauens. Sie sollen dem Patienten, so Grass-Kapanke in Berlin, nicht zuletzt „Motivation und Mut geben, noch an einem selbstständigen Leben teilhaben zu können.“ JL

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