Leichte bis mittelschwere Depression

Neuro-Depesche 5-6/2021

Wirksame Alternative Hypnose?

Zur Wirksamkeit einer Hypnose liegen vor allem anekdotische Berichte vor. Jetzt wurde das Verfahren in einer randomisierten kontrollierten Rater-verblindeten Studie bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Depression mit einer kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) als Goldstandard-Psychotherapie verglichen.
Ziel dieser monozentrischen Studie war der Nachweis einer „Non-Inferiority“ der manualbasierten Hypnosetherapie (HT). Von 152 Patienten wurden 78 zu einer CBT und 75 zu einer HT randomisiert (ambulant jeweils 16 bis 20 Sitzungen über sechs Monate). Die Abbruchraten betrugen 10,7 % bzw. 14,1 %.
Der Unterschied in der durchschnittlichen prozentualen Symptomreduktion nach der Montgomery-Asberg-Rating Scale for Depression (MADRS) in der CBT- und HTGruppe war der primäre Endpunkt. Er betrug in der Intention-to-Treat (ITT)-Population (n = 152) 35,8 % vs. 39,8 % und in der Per-Protokol-Population (PPP) (n = 134) 36,3 % vs. 39,1 % zugunsten der HT. Bei der vorab definierten Non-Inferiority-Grenze von 16,4 Punkten bestätigen die Unterschiede von nur 2,8 MADRS-Punkten (95 %-KI: -9,85 bis 15,44) bzw. 4,0 MADRS-Punkten (95 %-KI: -9,27 bis 17,27) eindeutig die Nicht-Unterlegenheit der HT. Diese belegen auch die Follow-up-Befunde der Patienten sechs und zwölf Monate später (Δ -0,84 bzw. 4,01 MADRS-Punkte vs. CBT). HL
Kommentar
Zur Hypnose bei Patienten mit einer Major Depression fehlen gut konzipierte RCT. Dies ist die erste Studie, die unter Anlegung strenger methodischer Standards die Nicht-Unterlegenheit gegenüber einer CBT belegt. Eine kleine Einschränkung ist das Fehlen eines Kontrollarms ohne eine Behandlung.
Quelle: Fuhr K et al.: Efficacy of hypnotherapy compared to cognitive behavioral therapy for mild to moderate depression - Results of a randomized controlled rater-blind .... J Affect Disord 2021; 286: 166-173
ICD-Codes: F32.9
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