Metaanalyse zur Migräne-Prophylaxe | Neuro-Depesche 9/2019

Wirken Coenzym Q10 und Magnesium?

Seit Jahr und Tag wird diskutiert, ob sich bestimmte Vitamine, Mineralien und andere Nahrungsergänzungsmittel zur Prophylaxe der Migräne eignen. Nun befassten sich kanadische Wissenschaftler mit der Frage im Rahmen einer systematischen Übersicht und Metaanalyse. Nur Studien zu Coenzym Q10 und Magnesium ließen sich sinnvoll auswerten.
Nur 17 abgeschlossene Placebo-kontrollierte Studien (RCT‘s) mit 40 bis 300 Teilnehmern erfüllten überhaupt die Einschlusskriterien. Da mindestens zwei Studien mit analysierbaren Daten Bedingung war, konnten nur fünf Studien metaanalytisch ausgewertet werden: zwei zu Coenzym Q10 und drei zu Magnesium.
Primäre Endpunkte waren Migräne-Häufigkeit (Anzahl der Attacken) und -Dauer (Stunden), sekundäre Parameter bestanden u. a. in Attackenschwere und Migräne- Tagen. Zudem wurden Heterogenität der Studien (I2) und Evidenzgrad bewertet. Verglichen mit Placebo verringerte Coenzym Q10 bei Erwachsenen in zwei Studien mit 97 Teilnehmern nicht-signifikant a) die Migräne-Häufigkeit pro Monat (mittlerer Unterschied -0,44 Attacken; I2: 53 %), b) die Dauer (-1,97 h; I2: 0 %) und c) die Schwere (Ratio of Means [RoM] -0,05; I2: 0 %). Die Evidenz war jeweils mäßig.
Magnesium reduzierte vs. Placebo in drei Studien mit 226 Teilnehmern den Schweregrad der Migräne nicht-signifikant (RoM -0,17; I2: 48 %; geringe Evidenz). Migräne- Häufigkeit und -Dauer unter Magnesium wurden aufgrund der außerordentlich hohen Heterogenität (I2: 88 % in vier Studien mit 266 Teilnehmern bzw. I2: 87 % in einer Studie) nicht ausgewertet. Die Wirksamkeit anderer Substanzen, darunter Multivitamin-Präparate, Folsäure, Vit. B6, Vit. B12, Vit. D, konnten mangels hinreichender Daten nicht bewertet werden. HL

Kommentar

Aufgrund unzureichender Evidenz lässt sich weder bestätigen noch ausschließen, dass Coenzym Q10 und Magnesium in der Migräne- Prophylaxe Erwachsener wirksam sind, so das wenig befriedigende Ergebnis dieser Metaanalyse. Zu beiden Substanzen – und natürlich zu den übrigen Stoffen auch – müssen qualitativ genügende RCT‘s durchgeführt werden. Angesichts der schlechten Studienlage kritisieren die Autoren die unkritische Propagierung dieser Behandlungsoptionen.
Quelle: Okoli GN et al.: Vitamins and minerals for migraine prophylaxis: a systematic review and meta-analysis. Can J Neurol Sci 2019; 46(2): 224-33
ICD-Codes: G43.9

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