Pflegekräfte in Norwegen nachbeobachtet | Neuro-Depesche 10/2018

Wird ein RLS durch Schichtarbeit induziert?

Zertifizierte Fortbildung

Schlafschwierigkeiten und Tagesmüdigkeit sind unter Schichtarbeitern die häufigsten Beschwerden, und vergangene Studien haben auch ein gehäuftes Auftreten eines RLS gezeigt. Jetzt wird der Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und RLS durch die Ergebnisse einer großen norwegischen Studie an Krankenschwestern in Zweifel gezogen.

1788 Pflegekräfte (90% weiblich, Alter 25– 67, durchschnittlich 36,5 Jahre) mit verschiedenen Arbeitszeiten (Tagschichten, Nachtschichten, Zwei- oder Dreischicht-Plan) nahmen an der 2008/2009 begonnenen Kohortenstudie teil. Die Arbeitshypothese der Autoren lautete auf eine erhöhte RLS-Prävalenz bei den Schichtarbeitern.
2012 wurde bei 470 Teilnehmern (26,8%) anhand der vier klassischen RLS-Fragen ein RLS diagnostiziert. Nach der International Classifcation of Sleep Disorders (ICSD-2) litten außerdem 532 der 1788 Teilnehmer (30,7%) unter einer ‚Shift Work Disorder‘ (SWD), gekennzeichnet durch schichtarbeitsbezogene Schlafschwierigkeiten, Tagesmüdigkeit etc.
Zwischen den verschiedenen Schichtarbeitsmustern zeigten sich entgegen der Erwartung keine signifikanten Unterschiede in der RLS-Prävalenz: Diese betrug 23,3% (Tagesschicht), 28,2% (Zweischicht) 29,4% (Nachtschicht) und 26,8% (Dreischicht).
Allerdings fand sich ein signifikanter Unterschied in der RLS-Prävalenz zwischen Pflegekräften mit und ohne SWD (33,5% vs. 23,8%; p < 0,001). Eine SWD blieb auch in der auf mehrere Variablen (beispielsweise Geschlecht, Alter und Ehestatus sowie Nikotin- und Koffeinkonsum) adjustierten Regressionsanalyse signifikant mit der RLS-Prävalenz assoziiert, die Risikoerhöhung betrug 56% (Odds Ratio: 1,56; 95%-KI: 1,24–1,97). Für ein schweres und häufiges RLS (n = 216; 8,4%) war die Wahrscheinlichkeit bei Vorliegen einer SWD im Übrigen sogar noch ausgeprägter (OR: 1,94; 95%-KI: 1,37–2,74). JL
Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Diese Studienergebnisse sprechen gegen die Induzierung eines RLS durch Schichtarbeit. Dass die RLS-Prävalenz eng mit einer ‚Shift Work Disorder‘ assoziiert war, legt nahe, dass die Betroffenen gegenüber zirkadianen Störungen, die auch ein RLS einschließen, generell vulnerabler sind.


Quelle:

Waage S et al.: Restless legs syndrome/Willis-Ekbom Disease is prevalent in working nurses, but seems not to be associated with shift work schedules. Front Neurol 2018; 9: 21; [Epub 29. Jan.; doi: 10.3389/ fneur.2018.00021]

ICD-Codes: G25.8

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.