Stimulanzientherapie der ADHS | Neuro-Depesche 7-8/2015

Wird das Größenwachstum verringert?

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Immer wieder wird befürchtet, dass die (Dauer-)Therapie der ADHS mit Stimulanzien das Wachstum der Kinder beeinträchtigen könnte. Nun untersuchten Pädiater aus Boston diese Fragestellung in einer Fallkontroll-Längsschnittstudie bis zu einem Lebensalter von 30 Jahren.

Aus einer US-Geburtskohorte (1976-82) wurden 340 Kinder mit ADHS-Diagnose 680 psychisch unauffälligen Kindern gegenübergestellt. Die Patienten waren für kürzere oder längere Zeit behandelt worden, zumeist mit Methylphenidat und/oder Dextroamphetamin. Die prospektive Erwachsenen-Follow-up-Studie lieferte Daten über durchschnittlich 26,2 bzw. 23,1 Jahre. Anhand von mehr als 25 Größenmessungen wurden die maximale Größenwachstums-Geschwindigkeit (Peak height velocity, PHV) in Bezug auf das Alter (in der Pubertät) sowie dessen Ausmaß ermittelt. Die Effekte der Therapiedauer auf die altersentsprechenden Z-Scores der Körpergröße wurden zu Beginn und Ende der Behandlung sowie 24 Monate danach bestimmt. Weder die ADHS an sich noch die Stimulanzientherapie zeigte im Gesamtkollektiv eine signifikante Assoziation zu den verschiedenen Wachstumsparametern. So waren das Ausmaß der PHV und das Alter beim PHV in der ADHS-Gesamtgruppe weder im positiven noch im negativen Sinne signifikant unterschiedlich zu den Kontrollen. Allerdings fand sich bei den über mehr als drei Monate behandelten Jungen mit ADHS gegenüber den Jungen mit unbehandelter ADHS ein signifikant späterer Wachstumsschub in der Pubertät (13,5 vs. 12,9 Jahre; p = 0,002). Zudem bestand bei ihnen eine signifikante positive Korrelation zwischen der Dauer der Stimulanzien- Einnahme vor der PHV und dem Alter zum Zeitpunkt der PHV (r = 0,21; p = 0,01). Dessen ungeachtet ergab sich bei den Stimulanzien-behandelten Jungen – ebenso wenig wie bei den Mädchen – im Ausmaß des PHV kein signifikanter Unterschied. Zwischen der Behandlungsdauer und Veränderungen der Z-Scores der Körpergröße ergab sich ebenfalls keine signifikante Korrelation, doch fand sich erneut in einer Subgruppe ein abweichender Zusammenhang: Unter den 59 Kindern mit ADHS-Dauertherapie (≥ 3 Jahre) zeigte sich eine tendenzielle Abnahme im durchschnittlichen Z-Score der Körpergröße zwischen Beginn und Ende der Therapie (0,48 bzw. 0,33; p = 0,06). Allerdings bewerten die Autoren dies als nicht klinisch relevant. Praktisch betrachtet vielleicht am wichtigsten: Weder bei den Jungen noch Mädchen mit ADHS war die finale Körpergröße als Erwachsene signifikant unterschiedlich zu den Kontrollen (-0,4 cm bzw. -1,1 cm). Dies war auch für behandelte vs. nicht-behandelte Jungen und Mädchen der Fall (+0,6 cm bzw. +0,2 cm). JL



Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die Studie signalisiert Entwarnung: Weder die Erkrankung selbst noch die ADHS- (Dauer-)Behandlung mit Stimulanzien scheint einen nennenswerten Einfluss auf das Längenwachstum der Kinder zu haben.

Quelle:

Harstad EB et al.: ADHD, stimulant treatment, and growth: a longitudinal study. Pediatrics. 2014; 134(4): e935-44 [Epub 1. Sept. 2014; doi: 10.1542/peds.2014-0428]

ICD-Codes: F90.0

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