Netzwerk-Metaanalyse | Neuro-Depesche 4/2017

Wie wirksam sind eigentlich Migräne- Prophylaktika?

Zertifizierte Fortbildung

Migräne-Patienten können von der Einnahme geeigneter prophylaktischer Medikamente erheblich profitieren. Doch für welche Wirkstoffe ist die Evidenz für Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit am größten? Nun wurde zu den gängigsten Prophylaktika eine Netzwerk-Metaanalyse durchgeführt.

Die umfassende Literaturrecherche ergab 32 Studien zur prophylaktischen Therapie mit Amitriptylin, Gabapentin, Propranolol, Topiramat und Valproat/Divalproex mit insgesamt 6052 Teilnehmern und einer Follow-up-Dauer von bis zu einem Jahr.
Sequenziell wurden paarweise Vergleiche, metaanalytische Vergleiche und schließlich eine Netzwerk- Metaanalyse zur relativen Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit durchgeführt. Primärer Wi rksamkeit sparameter waren die Migränetage pro Monat, die Kopfschmerzfrequenz und die Zahl ansprechender Patienten (= Reduktion der Migräneattacken um ≥ 50%). Darüber hinaus wurden alle Nebenwirkungen (Übelkeit, Somnolenz, Schwindel) sowie nebenwirkungsbedingte und sämtliche Therapieabbrüche aufgrund der direkten und indirekten Belege summiert.
Signifikant weniger Kopfschmerztage als unter Placebo wurden unter drei Medikamenten verzeichnet: Divalproex (-1,28), Topiramat (-1,20) und Propranolol (-0,98).
Eine signifikant verringerte Kopfschmerzfrequenz als Patienten unter Placebo zeigten nur Patienten, die Topiramat (-1,17) und Propranolol (-1,37) erhalten hatten.
Eine signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine mindestens 50%-ige Reduktion der Migräneattacken gegenüber der Placebo-Gabe wurde für Topiramat (Odds Ratio: 4,28) und Valproat (OR: 11,38) festgestellt.
Die Analyse der Sicherheit und Verträglichkeit ergab, dass Patienten unter Divalproex ein signifikant höheres Risiko für Übelkeit hatten als Patienten unter Placebo (OR: 3,20), aber auch als jene unter Topiramat, Propranolol, Gabapentin und Amitriptylin. Schwindelgefühle traten unter Gabapentin mit höherer Wahrscheinlichkeit auf als unter Placebo (OR: 3,70). Für eine Somnolenz ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede. Die Gesamtlast an Nebenwirkungen war unter Topiramat signifikant erhöht (OR: 2,44).
Das Risiko für einen jeglichen Therapieabbruch war unter Divalproex gegenüber Placebo erhöht (OR: 1,68), ebenso wie gegenüber Propranolol (OR: 2,09). Nebenwirkungsbedingte Therapieabbrüche waren versus Placebo wahrscheinlicher unter Topiramat (OR: 2,33) und unter Divalproex (OR: 2,25). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Divalproex, Topiramat und Propranolol scheinen dieser – vom Ansatz her komplexen, teils auch kritisierten – Netzwerk-Metaanalyse zufolge wirksamer zu sein als andere Migräne-Prophylaktika. Teilweise wurde dies aber auf Kosten einer mangelnden Sicherheit und Verträglichkeit erzielt. Diesbezüglich sollte gerade Divalproex in weiteren Studien überprüft werden.

Quelle:

He A et al.: Unveiling the relative efficacy, safety and tolerability of prophylactic medications for migraine: pairwise and network-meta analysis. J Headache Pain 2017; 18(1): 26 [Epub 20. Feb.; doi: 10.1186/ s10194-017-0720-7]

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