Schlaganfall bei jungen Erwachsenen | Neuro-Depesche 1/2019

Wie viele kehren ins Arbeitsleben zurück?

Eine auf finnischen Registerdaten basierende Follow-up-Studie befasste sich mit der Rückkehr von jungen Schlaganfall-Patienten in ihr Berufsleben. Neben der Beschäftigungsrate wurden die mit der NRTW verbundenen klinischen Faktoren untersucht.

Eingeschlossen wurden mehr als 700 junge, d. h. zwischen 15 und 49 Jahre alte Patienten des Helsinki Young Stroke Registry mit einem ischämischen Schlaganfall (IS) in den Jahren 1994 - 2007, die innerhalb eines Jahres davor eine bezahlte Beschäftigung hatten. Außerdem mussten sie bei der Entlassung aus dem Krankenhaus auf der NIH Stroke Scale einen Score ≤ 15 Punkte aufweisen. Studienziel war der Anteil Patienten, die nach einem, zwei und fünf Jahren nicht zur Arbeit zurückkehren (No return to work, NRTW). Zudem wurden die mit der NRTW verbundenen klinischen Faktoren untersucht.
 

 

Von den insgesamt 769 Patienten waren ohne Arbeit nach einem Jahr 289 (37,6 %), nach zwei Jahren 323 (42,0 %) und nach fünf Jahren 361 (46,9 %). Bereinigt auf die – ebenfalls prognostisch wichtigen – Merkmale Alter, Geschlecht, sozioökonomischen Status und NIH-Stroke-Scale-Score bei Aufnahme, ergaben sich in den Einjahresdaten in den multivariaten Regressionsanalysen folgende NRTW-assoziierte Faktoren: Große Schlaganfälle im anterioren Stromgebiet (Odds Ratio: 2,38 vs. kleine Infarkte), Schlaganfälle durch Arterioskle-rose großer Arterien (OR: 3,61 vs. andere Genesen), Hochrisiko-Faktoren für Kardioembolien (OR: 2,21 vs. keine Risiken) und seltene andere Ursachen außer Dissektionen (OR: 1,98 im Vergleich zu unbestimmten Ursachen). Weitere signifikante Faktoren für eine NRTW waren eine moderate/schwere Aphasie (OR: 2,74 vs. keine Aphasie), eine leichte/moderate bzw. schwere Extremitäten-Parese (OR: 2,18 bzw. 6,11 vs. keine Parese) und ein moderat bis schwer ausgeprägtes Gesichtsfelddefizit (OR: 2,32 vs. kein Defizit). JL

Kommentar

Knapp die Hälfte aller jungen finnischen Erwachsenen ist fünf Jahre nach einem leichten bis mittelgradigen ischämischen Schlaganfall nicht ins Arbeitsleben zurückgekehrt. In Übereinstimmung mit bisherigen Studien sind kognitive Dysfunktionen, schwerere motorische Beeinträchtigungen und Aphasien für die weitere Berufsfähigkeit die wichtigsten pro-gnostisch ungünstigen Faktoren, auf die in der Rehabilitation besonders geachtet werden sollte. Die Autoren legen außerdem Wert auf die Feststellung, dass die Ergebnisse sich nicht ohne weiteres auf Länder mit einer anderen Arbeitsmarktsituation und einem anderen sozialen Sicherungsystem als Finnland übertragen lassen.


Quelle:

Aarnio K et al.: Return to work after ischemic stroke in young adults: A registry-based follow-up study. Neurology 2018; 91(20): e1909-e1917 [Epub 12. Okt.; doi: 10.1212/WNL.0000000000006510]

ICD-Codes: I64

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