Perinataler Hirninfarkt | Neuro-Depesche 11/2015

Wie stark belastet die Situation die Familie?

Zertifizierte Fortbildung

Ein perinataler Hirninfarkt und die resultierenden neurologischen Probleme bedeuten für die Eltern zunächst großes Leid. In welchem Maß die Pflegesituation das Familienleben belastet und bei den betreuenden Personen Depressionen hervorruft, wurde jüngst in einer kanadischen Studie erforscht.

Die Daten aus einer großen Bevölkerungsstudie umfassten 103 Elternteile im Alter von median 39,2 Jahren. Alle versorgten in ihrem Haushalt ein nach einem perinatalen Hirninfarkt neurologisch beeinträchtigtes Kind im Alter von durchschnittlich 7,5 Jahren. Pflegende Hauptkraft waren zu 73,8% die Mütter, nur 26,2% der Väter kümmerten sich um die Pflege des Kindes.
Berücksichtigt wurden beim Kind die Schwere des Zustands, kognitive Defizite und Verhaltensstörungen. Bei den Eltern wurden mit verschiedenen Skalen (darunter dem spezifischen APSP Parental Outcome Measure, POM) sechs psychosoziale Variablen überprüft: Angst, Stress, soziale Unterstützung, Qualität der Partnerschaft sowie Schuld- und Schamgefühle.
Für eine elterliche Depression (nach der Hospital Anxiety and Depression Scale, HADS) waren die Krankheitsschwere des Kindes sowie eigene Angstzustände, mangelnde soziale Unterstützung und Schuldgefühle unabhängige Prädiktoren. Für das Familienleben (nach dem Pediatric Quality of Life Inventory Family Impact Module, PedsQL FIM) waren dies ebenfalls der Zustand des Kindes, insbesondere aber Stress und Beziehungsprobleme.
Bei der Suche nach Mediatoren zwischen kindlichem Zustand, psychosozialen Variablen und Depression fanden sich einzig Schuldgefühle als unabhängiger Prädiktor für eine mütterliche Depression. NW


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Ärzte sollten der durch das pflegebedürftige Kind stark belasteten Familie geeignete Strategien zur Angst- und Stressbewältigung sowie eheliche Beratung und psychologische Unterstützung vermitteln. Insbesondere wenn Eltern sich die Schuld an der Situation ihres Kindes geben, scheint dies eine Depression zu fördern.

Quelle:

Bemister TB et al.: Predictors of caregiver depression and family functioning after perinatal stroke. BMC Pediatr 2015; 15: 75 [Epub: 25. Juli; doi: 10.1186/s12887-015-0397-5]

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?