Validierung einer europäischen Skala | Neuro-Depesche 7/2016

Wie schlägt sich die Schweregradskala RLS-6 gegenüber der IRLS?

Ob ein RLS behandelsbedürftig ist, hängt in erster Linie von der Schwere der Symptome ab. Nun wurde in einer Validierungsstudie unter Beteiligung deutscher Behandlungszentren geprüft, inwieweit sich die Restless Legs Syndrome-6 Scale (RLS-6) der European Restless Legs Syndrome Study Group (EURLSSG e.V.) von der etablierten International Restless Legs Scale (IRLS) unterscheidet.

Die bereits validierte IRLS ist die in klinischen Studien am häufigsten eingesetzte Schweregradskala. Sie weist exzellente psychometrische Eigenschaften auf, doch die Erfassung der Tagessymptom-Schwere ist nicht immer zuverlässig. Zudem zeigt sich ein großer Placebo-Effekt.
Die RLS-6 geht teilweise andere Wege: Zusätzlich zu Fragen zur subjektiven Schlafqualität und Müdigkeit wird die Symptomschwere in der letzten Woche in vier verschiedenen Situationen erfasst: beim Einschlafen, am Tage im Sitzen und im Liegen sowie am Tage während körperlicher Bewegung. Jedes der sechs Items wird von 0 (keine Symptome) bis 10 (schwerste Symptomausprägung) bewertet.
Die Validierung der RLS-6 erfolgte nun an 892 RLS-Patienten (5873 ± 11,47 Jahre; 71,5% Frauen), die an vier klinischen Studien (zu Cabergolin und Lisurid) teilgenommen hatten und sich in Alter, Symptomschwere, Krankheitsdauer stark unterschieden.
Es zeigte sich, dass das Item 5 der RLS-6 (das eher dazu dient, RLS- von ähnlichen Nicht-RLSSymptomen zu unterschieden, als deren Schwere zu bestimmen) einige Nachteile hatte, u. a. einen Floor-Effekt und eine geringe Responsivität auf die Therapie. Insgesamt aber weist die RLS-6 eine geeignete strukturelle und interne Konsistenz auf (u. a. lag Cronbach’s alpha – Item 5 ausgeschlossen – bei 0,79). Der Placebo-Effekt beträgt in beiden Skalen etwa 25%. Auch im Abgleich mit den Ratingskalen Clinical Global Impression of Severity (CGIS) und Epworth Sleepiness Scale (ESS) verhielten sich beide Skalen sehr ähnlich. JL

Kommentar

Die RLS-6 der EURLSSG ist dieser Studie zufolge ein praktikables, zuverlässiges, genaues, valides und responsives Instrument für die spezifische Erfassung der RLS-Schwere – und der IRLS darin weitgehend vergleichbar. Beide Skalen bieten Informationen, die die jeweils andere nicht liefert – die RLS-6 insbesondere zu Details der Symptomschwere in verschiedenen Situationen, z. B. Tages- vs. Nachtsymptome. Insgesamt scheint sich die RLS-6 für den Behandlungsalltag eher als ein zusätzliches denn ein alternatives Instrument zur IRLS zu eignen.


Quelle:

Kohnen R et al.: Rating of daytime and nighttime symptoms in RLS: validation of the RLS-6 scale of restless legs syndrome/Willis-Ekbom disease. Sleep Med 2016; 20: 116-22

ICD-Codes: G25.81

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