Dreijahresstudie zum Schlaganfall | Neuro-Depesche 7-8/2015

Wie hoch sind Mortalität und Rezidivrate?

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Zwei Drittel aller Schlaganfälle ereignen sich in Ländern mit mittleren und geringen Einkommensverhältnissen. Anhand des Schlaganfallregisters der südbrasilianischen Stadt Joinville wurde jetzt prospektiv geprüft, wie viele Patienten mit erstem Schlaganfall drei Jahre überleben, wie viele in diesem Zeitraum ein Rezidiv erleiden und welche Todesursachen am häufigsten sind.

Im Register dieser urbanen Population wurden 407 Männer und Frauen mit erstem Schlaganfall identifiziert (2009–10) und prospektiv über 30 Tage bis mindestens drei Jahre nachbeobachtet. Sie waren 63 ±16 Jahre alt und hatten primär einen ischämischen (IS, 83%) oder hämorrhagischen (HÄM, 11%) Hirninfarkt erlitten, 7% eine Subarachnoidalblutung, SAB). Nach TOAST-Einteilung waren die Ursachen Verschluss kleiner Hirnarterien (SAO, 27%), kardioembolisches Ereignis (CE, 25%), große arterielle Atherothrombose (LAA, 17%) oder unbekannt (27%) bzw. nicht zuzuordnen (4%).
Nach drei Jahren waren 136 der Schlaganfallpatienten (33,4%) verstorben, in jedem Zeitabschnitt in erster Linie an kardiovaskulären Ursachen (Herzinfarkt, Hirndruck-Komplikationen etc.). In den ersten 30 Tagen betrug das Mortalitätsrisiko 21,6% und im ersten Jahr 24%; im zweiten und dritten Jahr verstarben jährlich noch 4,8% bzw. 3,2%. Die größte kumulative Mortalität ergab sich bei den SAB- und HÄM-Patienten mit 54% bzw. 53% (IS: 27%).
Verglichen mit SAO-Patienten war das kumulative Sterblichkeitsrisiko unter Patienten mit ischämischem Hirninfarkt bei kardioembolischer bzw. unbekannter Ätiologie 3,6-mal bzw. 3,3- mal höher (Hazard Ratio: 3,6; p = 0,001 bzw. 3,3; p = 0,001).
Das Rezidivrisiko über die drei Jahre betrug 9% (35/407 Patienten). Es war bei den verschiedenen Subtypen des ischämischen Infarkts nicht signifikant unterschiedlich. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Der transatlantische Blick über den Tellerrand zeigt, dass Schlaganfall-Patienten in Brasilien (jedenfalls in Jointville) inzwischen Mortalitäts- und Rezidivraten aufweisen, die denen in (älteren) Kohortenstudien in westlichen Ländern vergleichbar sind. Die häufigste Todesursache nach erstem Schlaganfall waren kardiovaskuläre Ereignisse. Daran sollten Präventionsstrategien primär ansetzen.

Quelle:

Cabral NL et al.: Three-year survival and recurrence after first-ever stroke: the Joinville stroke registry. BMC Neurol 2015; 15: 70 [Epub 1. Mai; doi: 10.1186/s12883-015-0317-1]

ICD-Codes: I69.4

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