Prophylaxe mit langwirkenden injizierbaren Antipsychotika | Neuro-Depesche 9/2020

Wie hoch ist die Rückfallrate, wer ist in Gefahr?

Zertifizierte Fortbildung
Bei Patienten mit einer Schizophrenie oder verwandten Psychose geht ein Rückfall sehr häufig auf ein Absetzen der antipsychotischen Medikation zurück, das nicht immer erkannt wird. Jetzt prüften namhafte US-Psychiater bei Patienten mit anhand der Serumspiegel nachgewiesener kontinuierlicher Prophylaxe mit langwirkenden injizierbaren Antipsychotika (LAI) die Rückfallrate und assoziierte Risikofaktoren.
Metaanalytisch ausgewertet wurden alle 19 verfügbaren klinischen Studien (bis 1. Aug. 2019) zur Vorbeugung von Psychose- Rückfällen mit LAI nach IPD-PRISMARichtlinien. Von den 5.130 Behandelten wiesen 2.938 eine prospektiv bestimmte Symptomremission (PSR) und 2.192 keine PSR auf. Zwölf Studien hatten einen Beobachtungszeitraum von > 1 Jahr, die Daten umfassten 3.959,53 Patientenjahre (PJ).
Der Metaanalyse zufolge betrug die gepoolte Rückfallhäufigkeit 22,97 pro 100 PJ. Diese Rate lag bei den Patienten der PSRSubkohorte mit 14,76 deutlich niedriger als bei denen der Nicht-PSR-Subkohorte mit 31,51 pro 100 PJ. Das Inzidenzratenverhältnis (IRR) betrug 0,19 (95 %-KI: 0,07 – 0,54).
 
Spätdyskinesien sagen Rückfälle voraus
Stärkster Prädiktor für einen Rückfall waren zu Therapiebeginn auftretende tardive Dyskinesien. Sie erhöhten die Rückfallwahrscheinlichkeit um das fast 2,4-Fache (Hazard Ratio [HR]: 2,39; 95 %-KI: 1,05 – 5,42). Auch ein initial bestehender komorbider Substanzkonsum erhöhte die Rückfallgefahr (HR: 1,55; 95 %-KI: 1,15 – 2,10). Die Prädiktoren wiesen sich in der PSR- und Nicht-PSR-Subgruppe ähnlich aus, allerdings hatte eine Substanzkonsumstörung bei PSR einen größeren Einfluss (HR: 2,36 vs. 1,36; p < 0,01). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Unter klinischen Aspekten wichtig ist, dass insbesondere initiale Spätdyskinesien ein maßgeblicher Risikofaktor zu sein scheinen. Dass ein Rückfall deutlich häufiger Patienten mit unvollständiger Symptomremission betrifft, steht im Einklang mit der Erfahrung, dass ein frühes und vollständiges Ansprechen das Langzeit-Outcome vorhersagt.
Quelle: Rubio JM et al.: Psychosis relapse during treatment with long-acting injectable antipsychotics in individuals with schizophrenia-spectrum disorders: an individual participant data meta-analysis. Lancet Psychiatry 2020; 7(9): 749–61
ICD-Codes: F20.9

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