Metaanalyse zur psychiatrischen Komorbidität bei MS

Neuro-Depesche 1-2/2021

Wie häufig ist eine Bipolarstörung?

Einige Studien deuten auf eine erhöhte Prävalenz der bipolaren Störung (BD) bei MS-Patienten hin. Diese Komorbidität wurde nun nach systematischer Überprüfung der Literatur in einer Metaanalyse näher untersucht.
Von 802 Publikationen (bis Okt. 2020) wurden 23 Studien mit insgesamt 68.796 MS-Patienten ausgewertet. In dieser Population betrug die gepoolte Rate einer komorbiden Bipolarstörung 2,95 % (95 %-KI: 2,12 % - 4,09 %). Dabei war die Studienheterogeniät außerordentlich hoch (I2: 95 %; p < 0,01).
Die geschätzte Lebenszeitprävalenz (basierend auf fünf gepoolten Studien) betrug 8,42 % (95 %-KI: 4,50 % - 15,21 %) und die Punktprävalenz 2,13 % (95 %-KI: 1,48 % - 3,07 %). In den USA war die BD-Prävalenz mit 4,70 % gegenüber Europa mit nur 1,99 % signifikant erhöht (p = 0,01).
 
Mehr Frauen als Männer betroffen
Subgruppenanalysen aus drei Studien zeigen, dass die BD-Prävalenz bei weiblichen MS-Patienten höher war als bei den Männern mit MS (7,03 % vs. 5,64 %), der Unterschied war jedoch nicht signifikant (p = 0,53). In vier Studien war der BD-Typ der MS-Patienten berichtetet worden: Diese Subgruppenauswertungen zeigten eine deutlich höhere Prävalenz vom BD Typ II als vom Typ I mit 5,52 % versus 2,81 %. Trotz dieser erheblichen Differenz war der Unterschied zwischen den beiden BD-Typen nicht signifikant (p = 0,27). Ursächlich für die erhöhte BD-Prävalenz könnten, spekulieren die Autoren, hirnstrukturelle Veränderungen (z. B. verringerte Kortexdicken) und immunologische Dysfunktionen sein, die verschiedenen Studien zufolge sowohl bei der MS als auch bei der BD vorzuliegen scheinen.
Aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass affektive Störungen bei MS-Patienten mit handfesten Problemen einhergehen: Verzögerung der MS-Diagnose und erhöhte Risiken für eine entzündliche MS-Aktivität, für Krankheitsprogression und Behinderungszunahme sowie eine erhöhte Sterblichkeit. Insofern resultiert bei komorbider BD Handlungsbedarf. HL
Kommentar
Diese Metaanalyse zeigt eine hohe Lebenszeitprävalenz der Bipolarstörung bei Patient(inn)en – besonders in den USA. Es dominierte der BD-Typ II, Frauen mit MS waren häufiger betroffen, MS-Erkrankte sollten routinemäßig auf eine BD untersucht werden. Zudem bedarf es bei dieser Komorbidität wirksamer Managementstrategien.
Quelle: Joseph B et al.: Prevalence of bipolar disorder in multiple sclerosis: a systematic review and meta-analysis. Evid Based Ment Health 2020 [Epub 16. Dez.; doi: 10.1136/ebmental-2020-300207]
ICD-Codes: G35 , F31.9
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