Medizinisches Personal

Neuro-Depesche 11-12/2020

Wer enwickelte eine PTBS, wer nicht?

Die COVID-19-Pandemie setzt die an vorderer (Gesundheits-)Front arbeitenden Menschen einer extremen Belastung aus. In der im Frühjahr besonders stark betroffenen Lombardei wurde untersucht, wie viele Gesundheitsmitarbeiter eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt hatten. Außerdem wurde der mögliche Einfluss der psychischen Verfassung geprüft.
In einer Online-Befragung von 686 exponierten Kräften wurden die PTBSSymptome anhand der PTBS-Checkliste für DSM-5 (PCL5) erfasst. Nachdem ein positiver psychischer Status im Allgemeinen vor psychischen Erkrankungen schützen und eine schlechtere psychische Verfassung umgekehrt einen Risikofaktor darstellen kann, wurde der psychische Zustand anhand des Mental Health Continuum Short-Form (MHC-SF) erfasst und seine Effekte auf die PTBS geprüft.
 
Etwa 40 % betroffen
653 Teilnehmer waren auswertbar. Bei vier von zehn Befragten (39,8 %) wiesen die Angaben auf eine klinisch relevante Symptomatik hin und sie erhielten eine „vorläufige“ PTBS-Diagnose. 33,4 % der Befragten zeigten nach MHC-SF einen positiven und 8,9 % einen schlechten psychischen Status, während sich 57,7 % der Befragten im Mittelfeld bewegten.
Der Regressionsanalyse zufolge stärker PTBS-gefährdet waren u. a. Frauen (Odds Ratio: 1,62) und Pflegekräfte/Hebammen (OR: 2,50 vs. andere Mitarbeiter), nicht aber Ärzte (OR: 1,04). Gegenüber den Befragten mit mittleren MHC-SF-Werten erhielten jene in der unteren MHC-SF-Kategorie deutlich häufiger eine vorläufige PTBS-Diagnose (OR: 3,00), während sich jene mit den besseren MHC-SF-Werten als resilienter erwiesen (OR: 0,26). HL
Quelle: Bassi M et al.: The relationship between post-traumatic stress and positive mental health symptoms among health workers during COVID-19 pandemic in Lombardy, Italy. J Affect Disord 2020 [Epub 14. Nov; doi: org/10.1016/j.jad.2020.11.065]
ICD-Codes: F43.1
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