Chronischer Kopfschmerz | Neuro-Depesche 5/2013

Weniger Depression bei periventrikulären Hyperintensitäten

Bei Patienten mit psychiatrischen Störungen aber auch mit Kopfschmerz lassen sich vermehrt Hyperintensitäten der weißen Substanz feststellen. Ob die Läsionen bei chronischen Kopfschmerzpatienten mit Depression bzw. Verhaltensauffälligkeiten assoziiert sind, wurde nun untersucht.

Von 85 Erwachsenen (16 Männer, 69 Frauen) mit chronischem Kopfschmerz, die keine psychiatrische Komorbitäten aufwiesen, wurden MRT-Aufnahmen angefertigt. Die depressiven Symptome der Teilnehmer wurden mithilfe der Center for Epidemiologic Studies Depression Scale (CES-D) erfasst. Mit der BIS/BAS-Skala (Carver und White; 1994) wurden die Gehemmtheit (BIS) und drei Aspekte der Aktivierung (BAS, Fun seekingDrive, Reward responsiveness) vom Patienten selbst beurteilt.

Die Scans ergaben bei 40% Hyperintensitäten der periventrikulären und bei 98% der tiefen weißen Substanz. Menschen mit Veränderungen um die Ventrikel herum litten nach eigener Ansicht unter deutlich weniger depressiven Symptomen als Personen ohne Läsionen in diesem Bereich (CES-D-Score: 13,79 vs. 18,19; p < 0,05).

Der Multivarianzanalyse zufolge war bei Vorliegen periventrikulärer Hyperintensitäten die depressive Verstimmung um das 1,06-Fache (p < 0,05) geringer ausgeprägt als ohne. Dabei ergaben sich keine signifikanten Unterschiede im Alter (51,58 vs. 49,02 Jahre; p = 0,37), Geschlecht (Männer 25% vs. 14,3% Frauen; p = 0,17) oder in den Werten der BIS/BAS-Skala der Patienten.

Relevante tiefe Hyperintensitäten waren allerdings im Vergleich zu kleineren oder nicht vorhandenen tiefen Läsionen vor allem bei älteren Patienten (53,89 vs. 47,40 Jahre; p < 0,05) und bei niedrigeren BAS-Werten im Bereich Antrieb (9,97 vs. 11,14; p < 0,05) zu finden. Ein höheres Alter war bei den Betroffenen um das 1,04-Fache (p < 0,05) wahrscheinlicher. Auf die Depressivität hatten die tiefen Hyperintensitäten im Übrigen keinen maßgeblichen Einfluss, die CES-D-Scores lagen bei 17,47 vs. 15,69, der Unterschied war nicht signifikant (p < 0,39). NW


Quelle: Serafini G et al.: White matter hyperintensities and self-reported depression in a sample of patients with chronic headache, Zeitschrift: The Journal of Headache and Pain, Ausgabe 8 (2012), Seiten: 661-667

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