Glukosestoffwechsel im PET | Neuro-Depesche 3/2015

Welcher MCI-Patient bekommt einmal welche Demenz?

Zertifizierte Fortbildung

Bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (Mild Cognitive Impairment, MCI) ist die Demenz-Inzidenz etwa zehnmal höher als in der älteren Bevölkerung. Die MCI gilt daher als Risikofaktor, teilweise sogar als Prodrom einer demenziellen Entwicklung. Mailänder Neurologen untersuchten nun anhand von „Brain Maps“ des Glukosestoffwechsels im PET, welcher MCI-Patient eine Demenz welchen Subtyps entwickeln wird.

In einer Gruppe von 45 Patienten (26 Frauen) mit einer – überwiegend anamnestischen – MCI im durchschnittlichen Alter von etwa 70 Jahren wurden 18F-FDG-PET-Aufnahmen angefertigt und daraus mittels eines Voxel-basierten statistischen parametrischen Mappings (SPM5) die regionalen Distributionsmuster des Glukosemetabolismus errechnet. Diese Karten wurden zum einen mit denen einer großen Referenzpopulation von kognitiv Unbeeinträchtigten verglichen und zum anderen den späteren Demenz-Formen zugeordnet.
Die Männer und Frauen mit MCI wiesen anfänglich einen durchschnittlichen MMST-Wert von 26–28 auf. Im Nachbeobachtungszeitraum von durchschnittlich 28,5 (± 7,8) Monaten schritten 24 der 45 Teilnehmer zu einer Alzheimer- Demenz (AD) oder einer anderen definierten Demenz-Form (s. u.) fort.
Nach dem Abgleich mit den Referenzdaten klassifizierten die 18F-FDG-PET-Auswertungen 79% aller MCI-Patienten korrekt. Innerhalb der MCI-Gruppe lag die positive Post-test-Wahrscheinlichkeit, also bei einem bestimmten Glukose- Hypometabolismus eine spezifische Demenz zu entwickeln, bei 100%. Die SPM-Auswertungen ergaben im Wesentlichen vier Einzelzusammenhänge:
1) Ein normaler Hirnstoffwechsel fand sich in 14 MCI-Fällen – keiner von ihnen schritt zu einer Demenz fort.
2) Ein (bevorzugt bilaterales) temporal-parietales Stoffwechselmuster im Kortex (typisch für eine AD) zeigte sich in 15 Fällen. Von ihnen entwickelten elf Personen eine AD.
3) Ein Glukose-Hypometabolismus in spezifischen Regionen, die als Zeichen einer frontotemporal lobären Degeneration (FTLD) bzw. einer Demenz mit Lewy bodies (DLB) gelten, fand sich in sieben bzw. zwei Fällen. Im Follow- up erfüllten alle neun Patienten die diagnostischen klinischen Kriterien einer FTLD bzw. DLB.
4) Ein unilateraler oder bilateraler selektiv temporomedialer Hypometabolismus (ohne typisches AD-Muster) zeigte sich in sieben MCI-Fällen – alle blieben kognitiv zumindest im Follow- up-Zeitraum stabil (und wiesen damit mutmaßlich eine deutlich verzögerte Demenz- Entwicklung auf). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

KOMMENTAR

Die objektive Auswertung der 18F-FDG-PETScans hatte in diesem MCI-Kollektiv einen hohen prädiktiven prognostischen Wert. Die Zuordnung zu spezifischen Stoffwechselmustern bestätigt u. a., dass den verschiedenen Demenz-Formen teils sehr unterschiedliche Pathologien zugrunde liegen. Offenbar lässt sich diese PET-Analyse nicht nur zur Auswahl von MCI-Patienten für Demenz-Studien sondern auch klinisch zur frühzeitigen Demenz- Diagnose nutzen.

Quelle:

Cerami C et al.: Brain metabolic maps in Mild Cognitive Impairment predict heterogeneity of progression to dementia. Neuroimage Clin 2014; 7: 187-94

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