SUDEP – plötzlicher Tod bei Epilepsie

Neuro-Depesche 9/2009

Welche Patienten sind in Gefahr?

Der plötzliche, unerwartete Tod bei Epilepsie-Patienten (Sudden unexpected death in epilepsy, SUDEP) ist keineswegs eine Seltenheit. US-Epileptologen untersuchten seine Inzidenz und Risikofaktoren. Darüber hinaus entwickelten sie einen speziellen Index, mit dem sich offenbar viele Gefährdete identifizieren lassen.

Ausgewertet wurden alle in MedLine gelisteten Publikationen zum Thema. Danach betrug die SUDEP-Inzidenz 2,17/1000 Patienten, nach Ausschluss der therapierefraktären Patienten (9,0/1000) lag die durchschnittliche bzw. mediane Inzidenz bei 1,8 bzw. 1,5/1000. Sie reichte von 0,1 bei Kindern bis zu 9,3 bei schwersten Epilepsie-Syndromen. Die standardisierte Mortalitätsrate (SMR) lag bei 6,78. Ein SUDEP war die Ursache in 16,6% der Epilepsie-bedingten Todesfälle.

In 48 Studien ließen sich bei hoher Heterogenität insgesamt 17 Risikofaktoren identifizieren, die nach Häufigkeit und Einheitlichkeit ihrer Nennung für ein SUDEP-Risikomodell einen gewichteten Wert erhielten. Deren Addition ergab für den einzelnen Patienten eine Risikoquantifizierung. Der wichtigste einzelne Risikofaktor – in 17 von 18 Studien maßgeblich – war die Non-Compliance mit der antiepileptischen Medikation. Es folgte das Auftreten generalisierter tonisch-klonischer Anfälle vor dem Tod in 10 von 12 Studien. Weitere Risikofaktoren in absteigender Relevanz waren u. a. Alter, Polypharmazie, früh auftretende Anfälle, männliches Geschlecht, Erkrankungsdauer.

Zur Überprüfung der Risikoformel wurde die Berechnung auf eine Gruppe von 91 Patienten angewendet, die an einem SUDEP verstorben waren, sowie auf 91 lebende Epilepsie-Kranke. In der Tat hatten die Verstorbenen zu 86% subtherapeutische Antiepileptika-Spiegel, die Kontrollen aber nur zu 9% (p < 0,0001). Hier bestätigte sich auch die Gefährdung durch die Zahl der Anfälle/ Monat (p < 0,0001), die Altersgruppe (20 bis 45 Jahren; p < 0,015), Mehrfachmedikation (p < 0,007), männliches Geschlecht (p < 0,049) und Alkoholsucht (p < 0,0001) sowie die Anwendbarkeit des Summenwerts der Formel (p < 0,0001).

Die Sensitivität dieses SUDEP-Modells betrug 71,3%, seine Spezifität 81,8%. Daraus resultierte ein positiver Vorhersagewert (PPV) von 84,6%. Dieses Modell könnte bei der Identifizierung der gefährdeten Patienten im Behandlungsalltag helfen. JL

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