Stimulanzien, VT, Neurostimulation und Alternatives | Neuro-Depesche 11-12/17

Was wirkt bei ADHS, was nicht?

Zertifizierte Fortbildung

Zur Therapie der ADHS bei Kindern und Jugendlichen existiert ein breites Spektrum an Therapieoptionen. In einem Review randomisierter Studien mit Netzwerk-Metaanalyse untersuchte ein internationales Forscherteam nun die Wirksamkeit und Sicherheit der verschiedensten – üblichen und ungewöhnlichen – Behandlungsoptionen.

Die Literaturrecherche (bis April 2016) umfasste alle randomisierten, kontrollierten Studien zur ADHS bei Kindern und Jugendlichen mit einer Dauer von mindestens drei Wochen. Es wurden praktisch alle Therapieoptionen berücksichtigt: Neben den klassischen medikamentösen Behandlungen (Stimulanzien, Nicht- Stimulanzien) sowie den nicht zur ADHS-Therapie zugelassenen Mitteln wie Antidepressiva, Antipsychotika waren dies auch psychologische Interventionen (Verhaltenstherapie, kognitives Training, Neurofeedback) und komplementäre bzw. alternative Behandlungen (Diät, Fettsäuren, Aminosäuren, Mineralien, Kräuter, Homöopathie, körperliche Übungen).
Ausgewertet wurden 190 randomisierte Studien zu 52 unterschiedlichen Interventionen (aus 32 therapeutischen Klassen) mit insgesamt 26 114 ADHS-Patienten. Sie waren 3–16, median zehn Jahre alt und zu 77% männlich. Die Studiendauer betrug 3–96, durchschnittlich zwölf Wochen. Primäre Outcome-Parameter der komplexen Netzwerk-Metaanalyse waren die Wirksamkeit (anhand der Ansprechraten) und die Akzeptanz (anhand der Gesamtabbruchraten). Sekundäre Studienendpunkte bestanden in der Verträglichkeit der Intervention (anhand der nebenwirkungsbedingten Abbruchraten) und in den Raten spezifischer und schwerer Nebenwirkungen.
 
Wirksamkeit
 
Auf Klassen-Ebene waren zum einen die Verhaltenstherapie (allein oder in Kombination mit Stimulanzien) und zum anderen Stimulanzien und Nicht-Stimulanzien, die zur ADHS-Behandlung zugelassen sind, signifikant wirksamer als Placebo.
  • Die Kombination aus Verhaltenstherapie und Stimulanzien war der alleinigen medikamentösen Therapie mit Stimulanzien oder Nicht-Stimulanzien überlegen.
  • Stimulanzien allein waren der alleinigen Verhaltenstherapie, dem kognitiven Training und auch den Nicht-Stimulanzien überlegen.
  • Unter den ADHS-Medikamenten waren Methylphenidat (MPH), Amphetamin, Atomoxetin (ATX), Guanfacin und – mit Einschränkungen – Clonidin signifikant wirksamer als Placebo. Dabei schienen MPH und Amphetamine wirksamer als ATX und Guanfacin.
  • Keine Evidenz für die Wirksamkeit bei ADHS fand sich u. a. für kognitives Training, Neurofeedback, Antidepressiva, Antipsychotika, Ernährungstherapie und andere komplementäre bzw. alternative Interventionen.

Sicherheit und Verträglichkeit

  • Verhaltenstherapie, Stimulanzien und die Kombination beider zeigten das beste Akzeptanzprofil.
  • Stimulanzien und Nicht-Stimulanzien wurden generell gut vertragen. Allerdings gingen die meisten der wirksamen ADHS-Medikamente mit relevanten spezifischen Nebenwirkungen wie Anorexie, Gewichtsverlust und Insomnie einher. Für schwerwiegende Nebenwirkungen ergaben sich keine signifikant erhöhten Risiken.
  • Unter den einzelnen Wirkstoffen wiesen MPH und – erneut mit Einschränkungen – Clonidin eine bessere Akzeptanz auf als ATX (und als Placebo). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Wie die Autoren anmerken, sind ihre Metaanalyse- Resultate mit Vorsicht zu interpretieren: Die Studien zeichneten sich durch hohe klinische und methodologische Heterogenität, kleine Gruppengrößen und kurze Nachbeobachtungszeiten aus, daher wurde keine hohe Evidenz erzielt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass die Verhaltenstherapie (besonders unter Einbeziehung von Eltern und Lehrern) als einzige psychologische/ psychotherapeutische Intervention signifikant wirksamer war als Placebo.

Quelle:

Catalá-López F et al.: The pharmacological and non-pharmacological treatment of attention deficit hyperactivity disorder in children and adolescents: A systematic review with network meta-analyses of randomised trials. PLoS One 2017; 12(7): e0180355 [Epub 12. Juli; doi: 10.1371/journal.pone.0180355]

ICD-Codes: F90.0

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