Cannabis und Psychose | Neuro-Depesche 11-12/2019

Was glauben wir – und was wissen wir wirklich?

Britische Ärzte fragen, ob wir dem Verständnis der lange postulierten Beziehung zwischen Cannabis und Psychose in den letzten Jahren näher gekommen sind. Anhand der aktuellen Literatur versuchten sie ein Update des Wissensstandes. Während die Evidenz insgesamt fragwürdig ist, deckten sie einige aktuelle Herausforderungen auf.
Dass die Psychose-Inzidenz bei (jugendlichen) Cannabis-Konsumenten höher als bei Nicht-Konsumenten ist, zeigen mehrere Studien. Zudem wurde ein erhöhtes Risiko bei Konsum von höher potentem, also viel THC enthaltendem Cannabis aufgezeigt. Als mögliche Erklärungen existieren drei Hypothesen: 1. Cannabis kann eine Schizophrenie auslösen. 2. Cannabis wird zur Linderung von Symptomen einer Schizophrenie verwendet. 3. Gemeinsame Faktoren könnten für den Cannabis-Konsum und die Schizophrenie verantwortlich sein. Um das Fazit der Autoren aus ihrer Durchsicht der aktuellen Literatur vorwegzunehmen: Immer noch besteht für keine der drei Hypothesen ein klare Evidenz.
Dass Cannabis ein ursächlicher Faktor für die Entwicklung einer Schizophrenie ist, scheint nahezuliegen, doch ein Nachweis wurde bisher nicht erbracht. Wichtige Einschränkungen der Studienlage bestehen darin, dass die meisten Daten zum Zusammenhang zwischen Cannabis und Psychose an (jungen) Männern aus westlichen Ländern erhoben wurden. Außerdem betreffen sie im Grunde die synergistischen Wirkungen von Cannabis und Tabak. Tabak scheint allerdings ein unabhängiger Psychose-Risikofaktor zu sein. Fazit der Autoren: Der Zusamnenhang von Cannabis und Psychose ist alles andere als geklärt. HL

Kommentar

Die gegenwärtig von biologischen Mechanismen und genetischen Faktoren dominierte Forschung zum Zusammenhang von Cannabis und Schizophrenie sollte auf soziale und kulturelle Umstände ausgeweitet werden und über Männer der westlichen Welt hinausgehen. Ob sich der durch Gesetzeslockerungen ausweitende Cannabis-Konsum tatsächlich in relevantem Ausmaß auf die psychische Gesundheit auswirkt, werden zukünftige Erfahrungen zeigen.
Quelle: Hamilton I, Monaghan M: Cannabis and psychosis: are we any closer ... Curr Psychiatry Rep 2019; 21(7): 48. [Epub 4. Juni; doi: 10.1007/s11920-019-1044-x]

Das könnte Sie auch interessieren:

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?