Bis zu 25 Jahre nachbeobachtet | Neuro-Depesche 3/2017

Was bringt die Sekundärprophylaxe bei TIA und Schlaganfall?

Zertifizierte Fortbildung

Schwedische Neurologen untersuchten in einer Langzeitstudie über bis zu 25 Jahre, wie wirksam die sekundärprophylaktische Behandlung nach transitorisch ischämischer Attacke (TIA) bzw. Schlaganfall und damit die Langzeitprognose der Patienten ist. Sie prüften insbesondere, wie stark beide Geschlechter von der Therapie mit Antikoagulanzien versus Aggregationshemmern profitieren.

Die Studie umfasste alle Patienten, die 1986 auf der Stroke Unit des Krankenhauses Linköping behandelt und bis Feb. 2011 nachbeobachtet worden waren. Für 288 Männer lagen Daten über durchschnittlich 7,8 Jahre (2254 Patientenjahre) vor, für 261 Frauen über durchschnittlich 7,6 Jahre (1984 Patientenjahre). 18% bzw. 15% der männlichen bzw. weiblichen Patienten hatten Antikoagulanzien (meist Warfarin) erhalten und 54% bzw. 60% einen Aggregationshemmer (meist 75 mg/d ASS); 27% bzw. 23% waren medikamentös unbehandelt geblieben (unbekannt: je 2%). Männer wiesen im ersten Jahr eine deutlich höhere Schlaganfallrate auf als Frauen (16,8% vs. 12%), doch dies drehte sich im Verlauf um (60% vs. 67,4% nach 15 sowie 70,9% vs. 78,9% nach 25 Jahren). Die Analysen zeigten eine gegenüber der Bevölkerung deutlich erhöhte Sterblichkeit der Männer bzw. Frauen. Sie betrug nach einem Jahr 21% bzw. 24%, nach zehn Jahren 67% bzw. 71% und nach 25 Jahren 93% bzw. 90%.
Das Schlaganfallrisiko pro Jahr betrug bei den medikamentös unbehandelten Patienten 12% bei den Männern und 11,4% bei den Frauen. Dabei war die Therapie mit Antikoagulanzien bezüglich Schlaganfall und Herzinfarkt bei den Männern prognostisch deutlich günstiger als die Gabe von Aggregationshemmern: Dies betraf das jährliche Schlaganfallrisiko (Männer: 9,4% vs. 9,8%; Frauen: 11,6% vs. 8,8%) und das Herzinfarktrisiko (Männer: 5,6% vs. 6,7%; Frauen: 5,3% vs. 3,7%). Dem hingegen ergaben sich im Risiko für einen Tod keine deutlichen Unterschiede, beide Geschlechter verstarben unter Antikoagulanzien etwa gleich häufig (Männer: 8,1% vs. 10,3%; Frauen: 8,3% vs. 8,4%). Die Jahresrate an tödlichen Hirnblutungen fiel unter den Antikoagulanzien wie erwartet deutlich höher aus als unter den Aggregationshemmern (0,86% vs. 0,17%).
Den Regressionsanalysen an der Gesamtkohorte zufolge hatten die Patienten mit TIA/ischämischem Schlaganfall von der Erstbehandlung einen deutlichen Nutzen in Bezug auf die Sterblichkeit: Gegenüber einer Nicht-Behandlung war die Wahrscheinlichkeit für einen Tod unter Antikoagulanzien bzw. Aggregationshemmern um je 33% verringert (Odds Ratio je 0,67; 0,5–0,9 bzw. 0,52–0,88). Wichtige Prädiktoren für ein Versterben waren u. a. höheres Lebensalter, Diabetes/ Nüchternblutzucker ≥ 6,1 mmol/l und ein Blut hochdruck. JL



Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die Studie bestätigt zwei Dinge: So weisen Patienten mit TIA/ischämischem Schlaganfall zum einen eine deutlich erhöhte Langzeitsterblichkeit gegenüber der Bevölkerung auf, besonders die Männer. Darüber hinaus zeigt sie, dass die Sekundärprophylaxe die Rate vaskulär bedingter Tode und die Gesamtmortalität reduziert. NOAK’s konnten in dieser 1986 gestarteten Studie natürlich nicht berücksichtigt werden.

Quelle:

Eriksson SE: Secondary prophylactic treatment and ... Brain Behav 2016; 7(1): e00603 [Epub 28. Nov.; doi: 10.1002/brb3.603]

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