Krankheitsprogression untersucht | Neuro-Depesche 5-6/2019

Vorteile für frühzeitige L-Dopa-Gabe?

Modifiziert L-Dopa die Progression der Parkinson-Erkrankung, wenn die Substanz möglichst frühzeitig gegeben wird? Diese Frage stand im Fokus der 80-wöchigen randomisierten, plazebokontrollierten Doppelblindstudie „Levodopa in Early Parkinson‘s Disease“ (LEAP) aus den Niederlanden.

In die multizentrische Studie LEAP wurden 445 nicht vorbehandelte Parkinson-Patienten aufgenommen. Über 40 Wochen wurden 222 zu L-Dopa/Carbidopa (LC; 3 x 100/25 mg/d; Gruppe 1) und 223 zu Placebo (Gruppe 2) randomisiert. Von Wochen 40 bis 80 bekamen alle Patienten LC (3 x 100/25 mg/d). Primärer Studienendpunkt war der Unterschied in der UPDRS-Gesamtpunktzahl zwischen einem frühen und verzögerten Therapiebeginn nach 80 Wochen.
Zu Beginn der Studie lagen die UPDRS-Scores bei 28,1 (Gruppe 1) bzw. bei 29,3 (Gruppe 2). Bis zum Studienende verbesserten sie sich um durchschnittlich 1,0 bzw. 2,0 Punkte (n. s.; p = 0,44). Die Progressionsrate zwischen Woche 4 und 40 betrug 0,04 UPDRS-Punkte/Woche in Gruppe 1 und 0,06 in Gruppe 2. Zwischen den Wochen 44 und 80 lagen die entsprechenden Werte bei 0,10 bzw. 0,03 Punkten/Woche. Dies entspricht einer mittleren Differenz von 0,07 Punkten (95 %-KI: 0,03 - 0,10). Das vorher festgelegte Niveau der „Nicht-Unterlegenheit“ wurde damit nicht erreicht: Es war kein krankheitsmodifizierender Effekt der frühen L-Dopa-Gabe nachweisbar.
Sie war allerdings auch mit keinen zusätzlichen Risiken verbunden: Toxische Effekte wurden nicht beobachtet, und die Rate an Dyskinesien und motorischen Fluktuationen unterschieden sich zwischen den beiden Kollektiven nicht.
Einschränkend muss erwähnt werden dass immerhin 39 % der Patienten in Gruppe 2 in den ersten 40 Studienwochen aufgrund von Symptom-Verschlechterungen L-Dopa benötigten. Für die „rechtzeitige“ Gabe spricht ferner dieses für den Patienten wichtige Ergebnis: Zwar bestand in der Lebensqualität nach Parkinson‘s Disease Questionnaire-39 (PDQ-39) nach 80 Wochen kein Unterschied zwischen den Gruppen (7,7 vs. 8,3 Punkte), doch war diese bei frühzeitiger L-Dopa-Gabe in den ersten 40 Wochen (und bis Woche 56 anhaltend) beträchtlich höher als bei der verzögerten Gabe. Das ist ein unmittelbarer Nutzen für die Patienten. GS

Kommentar

Die Ergebnisse der LEAP-Studie bestätigen im Großen und Ganzen die übliche Vorgehensweise bei Parkinson-Patienten: L-Dopa sollte gegeben werden, wenn dies klinisch erforderlich ist. Eine frühzeitige Gabe modifiziert den Krankheitsverlauf nicht. Eine Toxizität war nicht festzustellen.

Quelle:

Verschuur CVM et al.: Randomized delayed-start trial of Levodopa in Parkinson‘s disease. N Engl J Med 2019; 380: 315-324]

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