Todesfälle unter Antidepressiva

Neuro-Depesche 11/2004

Vorsicht bei Missbrauch oder Sucht in der Anamnese

Unter trizyklischen Antidepressiva (TZA) sind Todesfälle sehr viel häufiger als z.B. unter SSRI. In einer britischen Studie wurde nach den Todesursachen und risikoreichen Arzneimittelkombinationen bei Personen gesucht, die Antidepressiva erhalten haben. Erstmals wurde nachgewiesen, dass jene Patienten mit Drogenanamnese dabei ein deutlich höheres Sterberisiko haben.

Die Mortalitätsdaten des "National Programme of Substance Abuse Deaths" wurden mit einem nationalen Verschreibungsregister abgeglichen. In 80% der Todesfälle unter Antidepressiva handelte es sich um einen Suizid. Am häufigsten traten Todesfälle unter TZA (12 pro eine Million Verordnungen) auf. Die Mortalität unter SSRI war wie erwartet deutlich geringer (2 pro eine Million), bei 93% dieser Todesfälle war zudem eine zweite Substanz (Medikament oder Droge) beteiligt, vor allem erneut häufig TZA sowie Opiate (je ca. 24%). Patienten mit einer anamnestischen Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit hatten unter Antidepressiva plus einem zweiten Medikament eine hochsignifikant höhere Sterblichkeit. Verordnungen sollten daher bei diesem Personenkreis und bei suizidalen Patienten unter sorgfältiger Beachtung der Komedikation erfolgen. Abgesehen von anderen möglichen Ursachen für die vor allem unter Amitriptylin und Dothiepin hohe Mortalität unter TZA, ist wohl die starke Wirkung einzelner TZA auf kardiale Ionenkanäle mit einem erhöhten Risiko für Arrhythmien und plötzlichen Herztod. Diese Nebenwirkung ist unter SSRI nicht zu befürchten. Allerdings könnten Arzneimittelinteraktionen aufgrund der Metabolisierung durch das Cytochrom-P-450-System Ursache für die erhöhte Mortalität bei TZA/SSRI-Kombinationen sein. Dies sollte u.a. bei der TZA-Augmentierung einer SSRI-Therapie bedacht werden. (bk)

Quelle: Cheeta, S: Antidepressant-related deaths and antidepressant prescriptions in England and wales, 1998-2000, Zeitschrift: BRITISH JOURNAL OF PSYCHIATRY, Ausgabe 184 (2004), Seiten: 41-47
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