Kognition nach Apoplexie | Neuro-Depesche 10/2014

Vorschäden spielen eine wichtige Rolle

Nach ischämischem Hirnschlag entwickeln rund 30% der Patienten kognitive Einbußen oder eine Demenz. Welches Gewicht dabei dem Insult selbst und welches eventuellen Vorschäden zukommt, ist nicht einfach zu beurteilen.

Einige Studien fanden einen direkten Zusammenhang zwischen dem Volumen der ischämischen Läsionen (ILV) und dem kognitiven Status der Patienten, andere nicht. Schäden der weißen Hirnsubstanz (WML) tragen andererseits viel zur kognitiven Verschlechterung und zur Demenzentwicklung bei Überlebenden eines Hirnschlags und bei älteren Menschen bei. WML können Zeichen für eine Small-vessel-Hirnerkrankung, für Demyelinisierung oder für entzündliche Prozesse sein, kommen aber häufig bei älteren Menschen vor und werden bei bis zu 44% der Patienten nach Apoplexie oder TIA und bei 50 bis 75% derjenigen mit vaskulärer Demenz gefunden. WML stören vermutlich die Integration von Informationen aus größeren ZNS-Netzwerken und tragen auf diese Weise zur Entwicklung einer kognitiven Dysfunktion bei. Man kann WML im MRI auf T2-gewichteten Aufnahmen als hyperintense Signale darstellen. Die mikrostrukturellen Veränderungen der weißen Hirnsubstanz lassen sich mittels Diffsion Tensor Imaging (DTI) abgrenzen; sie reichen über die hyperintensen Areale hinaus. Man erfasst damit subtile Veränderungen der Gewebe-Intergrität. Damit lassen sich Verschlechterungen des kognitiven Status gut vorhersagen. Neurologen in Tel Aviv bedienten sich dieser Techniken, um den Zusammenhängen zwischen Apoplexie-Schäden und vorbestehenden WML hinsichtlich der kognitiven Entwicklung nachzugehen. Als Analysemethode verwendeten sie Structural Equation Modeling (SEM). Die Untersuchung bezog 142 Teilnehmer einer laufenden prospektiven Studie (TABASCO) ein, die einen ersten leicht- bis mittelgradigen Hirnschlag oder eine TIA erlitten hatten. MRI-Aufnahmen wurden innerhalb von sieben Tagen gemacht. Ein Jahr später quantifizierte man ihre Kognition mit einer neuropsychologischen Testbatterie. Die Auswertung der Daten bestätigte die he rausragende Bedeutung des Volumens vorbestehender Schäden der weißen HIrnsubstanz und normal erscheinender Hirnsubstanz für den globalen kognitiven Zustand. Für das Volumen der neuen ischäischen Läsionen wurde kein derartiger Effekt nachgewiesen. Aus den Ergebnissen der Studie lässt sich die Folgerung ableiten, dass Patienten mit vorbestehenden Läsionen der weißen Hirnsubstanz bei einem Hirnschlag eher zu einem kognitiven Abbau tendieren als solche ohne Vorschäden, und dies unabhängig vom Schweregrad der neuen Läsionen. Solche Patienten eignen sich demzufolge auch gut als Probanden für Studien, in denen Formen von kognitiver Rehabilitation oder neuroprotektive Therapien erprobt werden, die den weiteren kognitiven Abbau aufhalten sollen. WE

Quelle:

Kliper E et al.: Cognitive state following stroke: The predominant role of preexisting white matter lesions. PLoS One 2014; 9(8): e105461 (Epub

ICD-Codes: I69.4

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