Test in der Metropolregion Hamburg | Neuro-Depesche 3/2019

Vor der Grundschule auf ADHS screenen?

Um frühzeitig intervenieren und damit die negativen Langzeitfolgen einer ADHS-Erkrankung eindämmen zu können, erscheint eine frühe Diagnose-Stellung sinnvoll. Ein deutsches Team untersuchte nun, inwieweit das Screening auf ADHS-bedingte Symptome bei Vorschulkindern „machbar“ ist und zu welchen Ergebnissen es führt.

Basierend auf verschiedenen soziodemographischen Variablen wurde eine Stichprobe von 500 Kindern (fünf Jahre; 58 % Jungen) ausgewählt, die repräsentativ für eine Grundschulzugangsuntersuchung in der Metropolregion Hamburg sind. Ihre Eltern füllten den schriftlichen Fragebogen CBCL aus und wendeten das kurze, auf dem DISYPS-II-Fragebogen basierende Screening-Tool „ADHS-Bogen” an, auf dem die Schwere der Symptome auf einer Likert-Skala mit 0 - 3 bewertet werden.
Allein anhand der wichtigsten Subskala „Aufmerksamkeitsprobleme“ ergaben sich klinisch relevante Hinweise auf eine ADHS bei zehn Kindern (2 %). Das ADHSScreening ergab mit einem CBCL-T-Score > 70 einen ADHS-Verdacht bei 23 Kindern (4,6 %). Mit 17 Jungen vs. sechs Mädchen bestand hier ein signifikanter Geschlechtsunterschied (p = 0,03). Bei fünf Kindern (1 %), sämtlich Jungen, deuteten sowohl die CBCL/4-18-Werte als auch der ADHS-Bogen auf eine ADHS hin. HL

Kommentar

Die Studienresultate stimmen mit der hohen Prävalenz von ADHS-Symptomen in einer Metropolregion (1 % - 4,6 %) und den geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Kindern im Vorschulalter überein. Gerade angesichts der chronischen Natur der Erkrankung und des Nutzens eines frühen Behandlungsbeginns scheint ein – bislang in Deutschland routinemäßig nicht durchgeführtes – standardisiertes Screening auf eine ADHS in dieser Population indiziert zu sein.

Quelle:

Mechler K et al.: Screening for ADHD-related symptoms ... Front Psychiatry 2018; 9: 612 [Epub 20. Nov.; doi: 10.3389/fpsyt.2018.00612]

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