Psychosomatische Grundversorgung | Neuro-Depesche 6/2001

Verschreiben Ostberlins Ärzte mehr Psychopharmaka?

Ostberliner Ärzte ergreifen bei psychosomatischem Vorstellungsgrund ihrer Patienten deutlich mehr therapeutische Maßnahmen als ihre Kollegen aus Westberlin. Sie verordnen bei psychischen Störungen auch häufiger Medikamente.

Die vorgestellte Untersuchung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem vom Bundesgesundheitsministerium unter anderem in Berlin geförderten Projekt "Qualitätssicherung in der Psychosomatischen Grundversorgung". Folgende Daten waren dabei speziell für diese Studie verfügbar: Basisdokumentationsdaten (BADO) von 278 Patienten (149 Westberliner, 129 Ostberliner) mit psychosozialen Problemen aus 27 allgemeinmedizinischen und internistischen Arztpraxen und 617 Berliner Praxisbögen (253 aus Ostberlin, 346 aus Westberlin). Von den Westberliner Ärzten wurde der Anteil von Patienten mit psychischen oder psychosomatischen Störungen zwar als höher eingeschätzt, wobei Ängste als Hauptbelastung der Patienten im Vordergrund standen. Von den Ärzten aus Ostberlin hingegen wurde das Ausmaß an sozialen Problemen und körperlichen Belastungen als größer bewertet. Die biopsychosozialen Belastungen ihrer Patienten bewerteten die Ärzte etwa gleich. Die Ärzte aus Ostberlin intervenierten bei psychosomatischem Vorstellungsgrund häufiger mit Medikamenten als Ärzte in Westberlin. An der Patientenstichprobe war weiterhin interessant, dass in den alten Bundesländern verstärkt Hausfrauen, in den neuen Bundesländern gehäuft Arbeitslose vertreten waren. (kr)

Quelle: Deter, HC: Diagnostik und Behandlung in der psychosomatischen Grundversorgung - Ein Vergleich zwischen Ost- und Westberlin, Zeitschrift: ZEITSCHRIFT FÜR PSYCHOSOMATISCHE MEDIZIN, Ausgabe 46 (2000), Seiten: 180-192

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