MS im Vergleich mit anderen Autoimmunerkrankungen

Neuro-Depesche 11-12/2020

Verschärfen Angst und Depression den kognitiven Abbau?

Bei den allermeisten MS-Patienten kommt es im Verlauf zu mindestens subtilen Beeinträchtigungen der Kognition. Ob Depressionen und Angstzustände auf die Verschlechterungen einen maßgeblichen Einfluss haben, wurde jetzt bei Patienten mit MS und einer Vergleichsgruppe mit anderen Autoimmunerkrankungen untersucht.
255 Patienten mit MS, 247 mit entzündlicher Darmerkrankung (IBD) und 154 mit rheumatoider Arthritis (RA) sowie 306 Personen mit anamnestischer Depression/ Angststörung (DEP/ANX) ohne immunvermittelte Erkrankungen wurden drei Jahre lang nachbeobachtet. Bei den überwiegend weiblichen und durchschnittlich 49 Jahre alten Teilnehmern wurde jährlich die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) angewendet und die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung mit dem Symbol-Digit-Modalities Test (SDMT) bestimmt.
 
MS-Patienten schnitten schlechter ab
Die multivariable Analyse der Zusammenhänge zwischen psychischen Symptomen und den z-Scores des SDMT zeigte: Teilnehmer mit HADS-A-Werten ≥ 11 wiesen im SDMT (um ca. 5 Punkte) schlechtere Leistungen auf als jene ohne erhöhte Scores (β: -0,43; 95 %-KI: -0,65 bis -0,21), besonders ausgeprägt bei den RA-Patienten. Auf HADS-D-Scores ≥ 11 traf dies aber nicht zu .
Die MS-Gruppe zeigte zu allen Zeitpunkten die schlechtesten Leistungen im SDMT (und in weiteren kognitiven Tests). Der Unterschied war z. B. gegenüber der DEP/ ANX-Gruppe signifikant (β: -0,68; 95 %-KI: -0,88 bis -0,48). Darüber hinaus ging die Zunahme depressiver Symptomen im intraindividuellen Vergleich bei Teilnehmern aller vier Gruppen mit (um ca. 1,6 Punkte) schlechteren SDMT-Leistungen einher. Bei den MS-Patienten war dieser Effekt auf den SDMT signifikant (β: -0,12; 95 %-KI: -0,21 bis -0,021). Dies traf auf die Angst nicht zu. HL
Kommentar
MS-Patienten wiesen im SDMT und anderen kognitiven Tests die schlechtesten Leistungen auf. Bei ihnen verschlechterten Zunahmen der depressiven Symptome die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit.
Quelle: Marrie RA et al.: Anxiety and depression affect performance on the symbol digit modalities test over time in MS and other immune disorders. Mult Scler 2020 [Epub 25. Sept.; doi: 10.1177/1352458520961534]
ICD-Codes: G35
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