Akute Depression bei Opiatabhängigen | Neuro-Depesche 10/2018

Verringert Buprenorphin die Suizidalität?

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Niedrig dosiertes Buprenorphin kann Studien zuolge Suizidvorstellungen reduzieren. Iranische Forscher prüften jetzt in einer randomisierten Doppelblindstudie die Wirksamkeit einer Einzelgabe von Buprenorphin in verschiedenen Dosierungen bei akut depressiven Personen mit komorbider Opiatabhängigkeit.

Buprenorphin ist ein partieller Opioidagonist (am μ-Opioid-Rezeptor) und ein potenter Opioidantagonist (am k-Opioid-Rezeptor) sowie ein partieller Agonist an nozizeptiven Rezeptoren, der bei Patienten mit Opiatabhängigkeit oder mit Schmerzsyndromen eingesetzt wird. Jetzt wurden 51 stationär behandelte Männer, die die DSM-5-Kriterien einer akuten Major-Depression-Episode sowie einer Opiatabhängigkeit erfüllten, zu drei Gruppen randomisiert: Je 17 Patienten erhielten eine einzelne sublinguale Buprenorphin-Dosis von 32, 64 oder 96 mg. Die Teilnehmer befanden sich bereits in einem leichten Opiatentzugs-Stadium. Untersucht wurden die Effekte mit der Beck Scale for Suicidal Ideation (BSSI) und zusätzlich anhand DSM-5-basierter Interviews.
Auswertbar waren am Ende 47 Patienten: 16 mit 32 mg, 17 mit 64 mg und 14 mit 96 mg Buprenorphin. In jeder der drei Gruppen kam es über drei Tage zu einer signifikanten Reduktion der BSSI-Werte (je p < 0,01): von 8,50 auf 0,625, von 11,05 auf 1,17 bzw. von 8,24 auf 0,00. Dabei erreichten die Unterschiede zwischen den verschiedenen Buprenorphin-Dosisgrupppen – vermutlich aufgrund der kleinen Gruppengrößen – keine Signifikanz (p = 0,408). Nebenwirkungen oder Reboundphänomene wurden nicht beobachtet. Eine Nachuntersuchung 14 Tage später ergab, dass keiner der Patienten mehr Suizidideationen aufwies. JL
Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Unabhängig von der Dosis verringerte sublinguales Buprenorphin in dieser Pilotstudie die Suizidalität der depressiven Opiatabhängigen rasch und signifikant. Die unter großen Sicherheitsvorkehrungen durchgeführte Studie schloss wegen der hohen Wahrscheinlichkeit einer Entzugsverschlimmerung allerdings keine Placebo-Gruppe ein, so dass ihre Aussagekraft begrenzt ist.


Quelle:

Ahmadi J et al.: The effectiveness of different singly administered high doses of buprenorphine in reducing suicidal ideation in acutely depressed people with ... Trials 2018; 19(1): 462 [Epub 29. Aug.; doi: 10.1186/ s13063-018-2843-9]

ICD-Codes: F32.9

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