Migräne bei älteren Frauen | Neuro-Depesche 1-2/2016

Vermehrt Attacken in der späten Perimenopause

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Vergangene Studien haben gezeigt, dass die Perimenopause mit einer erhöhten Migräneprävalenz einhergeht, besonders bei Frauen mit vorherigem prämenstruellem Syndrom. In der American Migraine Prevalence and Prevention Study wurde nun bei Migräne-Patientinnen untersucht, ob die hormonellen Umstellungen in der Perimenopause bzw. Menopause die Kopfschmerzhäufigkeit beeinflussen.

In der Befragung (2006) wurden Frauen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren ohne Hormoneinnahme eingeschlossen, die die modifizierten Kriterien der ICHD-3 beta für eine Migräne erfüllten. Es wurden detaillierte Fragen zum Menstruationszyklus (u. a. Zyklusdauer), intermittierenden Amenorrhöen etc. gestellt. Primärer Parameter war die Zuordnung zu einer Gruppe mit häufigeren oder weniger häufigeren Kopfschmerzattacken (Grenzwert ≥ 10 Migränetage/ Monat). Die Stichprobe umfasste 3664 Frauen im Durchschnittsalter von 46 Jahren.
In der Gruppe der 1242 Frauen mit großer Kopfschmerzhäufigkeit befanden sich nur 8,0% der prämenopausalen Patientinnen (99/1242), aber 12,2% (154/1266) bzw. 12,0% (131/ 1095) der perimenopausalen bzw. postmenopausalen Frauen.
Im Regressionsmodell 1 (= Adjustierung auf den Menopausen-Status und soziodemographische Faktoren wie z. B. Alter, Einkommen) war die Wahrscheinlichkeit für einen häufigeren Kopfschmerz bei den perimenopausalen Frauen um 62% (Odds Ratio: 1,62; 95%-KI: 1,23–2,12) und bei den postmenopausalen Frauen gegenüber Frauen in der Prämenopause als Referenz um 76% (OR: 1,76; 95%-KI: 1,23–2,52) erhöht.
In Modell 2 (= zusätzlich adjustiert u. a. auf depressive Symptome, Rauchen, Allodynie, prophylaktische Analgetika-Einnahme und Medikamenten- induzierten Kopfschmerz) ergab sich nur bei den perimenopausalen Patientinnen eine signifikant um 42% erhöhte Wahrscheinlichkeit für Kopfschmerz an ≥ 10 Tagen (OR: 1,42; 95%- KI: 1,03–1,94), nicht aber bei jenen in der Menopause (OR: 1,27; 95%-KI: 0,83–1,92). Die Signifikanz bestand in diesem Modell aber nur für die späte, nicht für die frühe Phase der Perimenopause (OR: 1,72; 95%-KI: 1,19–2,49 bzw. OR: 1,22; 95%-KI: 0,84–1,78). Den stärksten Einzeleinfluss hatten daneben Analgetika-Konsum und Depression. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Mehr als 70% der Frauen in der Perimenopause leiden unter Hitzewallungen, Schlafstörungen, Nachtschweiß, Libido-Abnahme und anderen klimakterischen Symptomen. Den Querschnittsdaten der hier präsentierten US-amerikanischen Studie zufolge scheint es gerade in der Perimenopause auch zu einer erheblichen Zunahme an Migräneattacken zu kommen. Die Frauen in diesem Lebensabschnitt sollten deshalb hinsichtlich einer prophylaktischen Behandlung sorgfältig und umfassend von ihrem behandelnden Arzt beraten werden.

Quelle:

Martin VT et al.: Perimenopause and menopause are associated with high frequency headache in women with migraine: results of the American migraine prevalence and prevention study. Headache 2016 [Epub: 21. Jan.; doi: 10.1111/head.12763]

ICD-Codes: N95.1

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