Rehabilitation nach Schlaganfall | Neuro-Depesche 3/2012

Verbessern Antidepressiva das Ergebnis?

Eine persistierende körperliche, kognitive und funktionelle Behinderung nach Schlaganfall bedingt eine schlechte Lebensqualität und belastet die pflegenden Angehörigen. Verschiedene Studien und Beobachtungen weisen darauf hin, dass Schlaganfall-Patienten von einer Antidepressiva-Gabe mit einer verringerten Behinderung profitieren – es existieren aber auch gegenteilige Erfahrungen. Nun prüften Neurologen der University of Iowa diese Fragestellung in einer randomisierten plazebokontrollierten Studie mit einem SSRI und einem trizyklischen Antidepressivum an depressiven und nicht-depressiven Patienten.

Eingeschlossen in die Doppelblindstudie wurden insgesamt 83 Patienten mit einem Schlaganfall, darunter neun mit einem hämorrhagischen Infarkt. 46 litten unter einer mittels Present State Examination festgestellten akuten Minor oder Major Depression-Episode mit Werten der Hamilton Depression Rating Scale mit 17 Items (HDRS17) zwischen 17,5 und 22,5 Punkten, die übrigen waren nicht depressiv (HDRS17-Werte: 5,3 bis 6,7).

Durchschnittlich 30 bis 34 Tage nach dem Schlaganfall erhielten nach Randomisierung für drei Monate 32 Patienten Fluoxetin (bis zu 40 mg/d), 22 Nortriptylin (bis zu 100 mg/d) und 29 Plazebo. Die Schlaganfall-bedingte Behinderung wurde zu Baseline, nach drei, sechs und neun Monaten sowie nach einem Jahr mit der modifizierte Rankin Scale (mRS) bestimmt. Die Beeinträchtigungen der Aktivitäten des täglichen Alltags wurden zu den gleichen Zeitpunkten mittels Functional Independence Measure (FIM) festgestellt.

Während des einjährigen Nachbeobachtungszeitraums verbesserten sich die mRS-Werte bei den – zusammen ausgewerteten – 59 Patienten mit Antidepressiva-Therapie kontinuierlich, während sie sich in der Plazebogruppe kaum veränderten. Nach Kontrolle der Daten auf kritische Variablen wie beispielsweise Alter, initiale Schlaganfallschwere nach NIHSS, die anfängliche Depressionsschwere und die Intensität der Rehabilitationsmaßnahmen (in Stunden) erreichten die mit den beiden Antidepressiva behandelten Patienten gegenüber jenen der Plazebogruppe nach einem Jahr einen signifikant besseren mRS-Wert. Der Unterschied betrug -3,17 Punkte (p = 0,002). Dies war in einer separaten Analyse für Fluoxetin und für Nortriptylin der Fall. Auch die Gegenüberstellung von ischämischen und hämorrhagischen Infarkten ergab keine wesentlichen Unterschiede im Outcome nach mRS, ebenso wenig wie der Vergleich der depressiven und nicht-depressiven Patienten. Im Falle der FIM-Werte verfehlte die Differenz zwischen Antidepressiva- und Plazebogruppe allerdings die Signifikanz. JL

?! Dass der Langzeiteffekt der nur dreimonatigen Antidepressiva-Gabe auf den Behinderungsgrad von der Art des Schlaganfalls und dem verwendeten Antidepressivum, insbesondere aber vom Vorliegen/Nicht-Vorliegen einer Depression (oder deren initialer Schwere) unabhängig war, spricht für eine robuste, klinische relevante Therapiewirkung. Vermutlich wirken die Antidepressiva direkt auf die Reparationsprozesse nach einem Schlaganfall positiv ein. Diese sehr positiven Resultate einer kontrollierten Studie erscheinen lediglich aufgrund der kleinen Gruppengrößen limitiert.
Quelle: Muñoz R et al.: Central sleep apnea is associated with increased risk of ischemic stroke in the elderly, Zeitschrift: ACTA NEUROLOGICA SCANDINAVICA, Ausgabe 2011 Dec 9 (2011), Seiten: doi: 10.1111/j.1600-0404.2011.01625.x [Epub ahead

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