| Neuro-Depesche 3/2013

Ventrikuläre Tachykardie während Attacke

Berichtet wird von einem Patienten, bei dem es während eines Migräneanfalls vom Basilaristyp zu einer ventrikulären Tachykardie kam.

Bei dem 22-Jährigen ereigneten sich im Abstand von zehn Tagen zwei akute 40-minütige Phasen mit Schwindel, Ataxie und exzessiven Schweißausbrüchen sowie Hypästhesie in beiden Armen und Beinen. Nach den Aura-Symptomen trat ein bilateraler okzipitaler, pulsierender Kopfschmerz (Stärke 7/10) auf, der 4–6 Stunden anhielt und mit Übelkeit verbunden war.

Aktuell kam es während der Behandlung in der Notaufnahme zur Arrhythmie: Es traten polymorphe breite QRS-Komplexe auf, gefolgt von einer monomorphen ventrikulären Tachykardie und spontaner Beendigung. Alle Untersuchungen waren ohne Befund. Der Patient wurde mit der Erstdiagnose einer Basilarismigräne und auf Empfehlung des Kardiologen mit einer prophylaktischen Metoprolol-Therapie entlassen.

Die Autoren vermuten einen pathophysiologischen Zusammenhang zwischen der Dysfunktion des autonomen Nervensystems, das Myokard und Koronarien versorgt, und einer gestörten atrialen/ventrikulären Repolarisation während der Migräneattacke als Ursache der Arrhythmie. Auch wenn das Risiko eines plötzlichen Todes bei Migräne-Patienten grundsätzlich nicht erhöht ist, kann bei einer Basilarismigräne eine iktale kardiale Dysfunktion auftreten, die u. U. ernster verläuft und therapeutische Konsequenzen erfordert. Da eine Tachykardie bei 2-3% junger Menschen ohne Herzerkrankung spontan oder stress- bzw. angstbedingt auftritt, ist es also durchaus möglich, dass die ventrikuläre Tachykardie dieses Patienten in keinem direkten Zusammenhang zur Migräne steht. NW

Quelle: Pitarokoili K et al.: Ventricular tachycardia during basilar-type migraine attack, Zeitschrift: Therapeutic Advances in Neurological Disorders, Ausgabe 1 (2013), Seiten: 35-40

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