Heterogene Studienlage | Neuro-Depesche 6/2008

Todesursachen und Lebenserwartung bei MS

Die MS ist eine der häufigsten Ursachen für erworbene Behinderungen bei jungen Menschen. Ob und ggf. in welchem Ausmaß die Mortalität von MS-Patienten gegenüber der Bevölkerung erhöht ist, legte eine Arbeitsgruppe aus Palermo nun anhand verschiedener Studienresulate dar.

Identifiziert wurden 114 Veröffentlichungen zu Mortalität und Überleben bei MS-Patienten. 33 Arbeiten bildeten die Grundlage der Analyse. Aufgrund der stark heterogenen Daten war eine reguläre Metaanalyse jedoch nicht möglich, die Autoren beschränkten sich daher auf die Deskription der verschiedenen Aspekte.

Die MS selbst ist keine tödliche Erkrankung. Vorzeitige Todesfälle lassen sich in erster Linie auf die erheblichen Behinderungen bei steigendem Lebensalter, auf Komplikationen und komorbide Erkrankungen wie Atemwegskrankheiten, Infektionen und Herz-Kreislauf-Erkrankun­gen zurückführen, die bei MS-Patienten häufiger als in der Allgemeinbevölkerung zu sein scheinen. Somit bestimmt im Wesentlichen auch deren erfolgreiche Behandlung das Überleben.

Die Lebenserwartung eines MS-Patienten liegt bei Beginn der Symptomatik zwischen 20 und 45 Jahren, die Reduktion gegenüber Gesunden beträgt durchschnittlich fünf bis zehn Lebensjahre. Patienten mit primär und sekundär progredienten Verläufen und solche mit Beteiligung mehrerer funktioneller Systeme haben offenbar kürzere Überlebenszeiten. Zu geschlechtsbezogenen Unterschieden existieren widersprüchliche Daten, eine familiäre Belastung oder Nicht-Belastung wirken sich offenbar nicht aus. (Be)


Quelle: Ragonese, P: Mortality in multiple sclerosis: a review, Zeitschrift: EUROPEAN JOURNAL OF NEUROLOGY, Ausgabe 15 (2008), Seiten: 123-127

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