Refraktärer Status epilepticus | Neuro-Depesche 7-8/2016

STESS hilft bei der frühen Bestimmung des Outcome

Zertifizierte Fortbildung

Nach welcher Zeit ein Status epilepticus (SE) beendet wird, kann über Wohl und Wehe des Patienten entscheiden. Ein Neurologenteam untersuchte nun, wie SE-Dauer und -schwere das Langzeit-Outcome bei therapierefraktärem SE beeinflussen. Sie prüften insbesondere den prognostischen Wert des Status Epilepticus Severity Score (STESS).

Retrospektiv wurden alle Patienten mit einem therapierefraktären SE der Jahre 2001 bis 2013 ausgewertet. Das funktionelle Langzeit-Outcome wurde anhand der modifizierten Rankin Scale (mRS) in gut (keine SE-bedingten funktionellen Beeinträchtigungen oder kein mRS-Anstieg oder ein mRS-Score ≤ 2) oder schlecht (Beeinträchtigungen oder mRS-Anstieg bzw. -Score > 2) eingeteilt. Der STESS beinhaltet die vier Faktoren Alter (</> 65 Jahre), Anfallsanamnese, Anfallstyp und Ausmaß der Bewusstseinstrübung, der Gesamtscore beträgt 0 bis 6 (höher = schlechter).
Von 65 Patienten wurden 71 SE-Episoden analysiert, zumeist komplex-partieller oder generalisiert konvulsiver Art (je 43,7%). Die mediane Follow-up-Dauer betrug 12 Wochen (IQR: 6-35 Wochen). die Krankenhaussterblichkeit lag bei hohen 18,3%, am ende waren sogar 23 Patienten verstorben (33%). Ein schlechtes funkionelles Langzeit-Outcome fand sich bei 42 (von 69) Episoden (60,9%). Bei ihnen fiel u.a. ein höheres alter, häufigere Epilepsieanamnese und eine längere SE-Dauer (14 vs. 7 Tage) auf.
Die Multivarianzanalyse ergab drei unabhängige Faktoren für ein schlechtes Patienten-Langzeit-Outcome: STESS> 3 (Odds Ratio: 11.56; p= 0,008), SE- Dauer > 10 Tage (OR: 1,11; p = 0,033) und das Auftreten einer Sepsis (OR: 10,40; p = 0,031). Ein STESS ≥ 3 korrelierte zudem auch tendenziell mit der Krankenhaussterblichkeit (OR: 4,99; p = 0,066). Keiner der übrigen Variablen wie Induzierung einer „Burst suppression“, Gabe von Vasopressoren oder Anästhetika, Typ oder Zahl der verabreichten Antiepileptika etc. hatte auf die Prognose einen signifikanten Einfluss.
Die Betrachtung anhand der Receiver operating characteristics (ROC)- Kurve ergab für die dichotome Prognose eines guten bzw. schlechten Langzeit-Outcome nur zwei Parameter: zum einen die längere SE-Dauer mit einem Grenzwert von > 10 Tagen (Area under the Curve: 0,712, p = 0,012); der negative prädiktive Wert (NPV) lag hier bei 0,545, der positive prädiktive Wert (PPV) bei 0,750. Zum anderen erlaubte ein Cut-off-Wert des STESS von ≥ 3 eine optimale Diskriminierung (AUC: 0,671, p = 0,002). Der NPV betrug dabei 0,607, der PPV 0,756. Ein STESS ≥ 3 allein wies eine Sensitivität von 73,8% und eine Spezifität von 63,0% auf. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Noch immer ist der Status epilepticus (SE) eine lebensgefährliche Komplikation, die ein schnelles und entschlossenes Eingreifen erfordert. In dieser Studie gewährte neben der SE-Dauer der – bei refraktären Patienten noch nicht validierte – STESS eine bemerkenswert zuverlässige Prognose des funktionellen Langzeit-Outcome. Er kann offenbar früh zur Entscheidung über die Behandlungsstrategie bei einzelnen Patienten beitragen.

Quelle:

Madžar D et al.: Association of seizure duration and outcome in refractory status epilepticus. J Neurol 2016; 263(3): 485-91

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