Drohende Apoplexie bei Hochrisikopatienten | Neuro-Depesche 11/2011

Stent der konservativen Therapie nicht überlegen

Intrakranielle arteriosklerotische Stenosen gehören zu den häufigsten Schlaganfall-Ursachen. Nach Ablaufen einer TIA in einem solchen Bereich ist ein nachfolgender Insult häufig, auch wenn ASS gegeben und Risikofaktoren bekämpft werden. Was bringt die perkutane transluminale Angioplastie mit Stenting (PTAS)?

Für Hochrisikopatienten haben sich zwei Strategien etabliert: Eine aggressive medikamentöse Therapie mit Thrombozytenhemmer-Kombinationen (plus ein intensives Risikofaktoren-Management) allein oder eine Ergänzung dieser konservativen Therapie durch eine PTAS. Um Nutzen und Risiken beiden Interventionen zu vergleichen, wurde 2008 von einer US-Arbeitsgruppe eine randomisierte Studie an Patienten mit TIA oder Schlaganfall und einem intrakranieller Stenosegrad von 70–99% begonnen.

Diese wurde im April 2011 aber gestoppt, weil die Stent-Methode offensichtlich deutlich schlechter abschnitt: Nach Auswertung von 451 Patienten betrug die 30-Tage-Rate für den kombinierten Endpunkt (Apoplex-Rezidiv, Tod, Reintervention etc.) beim Stenting 14,7% vs. 5,8% in der konservativ behandelten Gruppe (p = 0,002). Jenseits der 30 Tage traten Hirninfarkte in den betroffenen Territorien in beiden Gruppen bei 13 Patienten und damit gleich häufig auf. Die Einjahres-Inzidenz für den primären Endpunkt beträgt gegenwärtig 20,0% (Stent) vs. 12,2% (konservativ) (p = 0,009).

Die starken Unterschiede zwischen beiden Interventionen führen die Autoren u. a. auf eine unerwartet niedrige Apoplex-Rate unter konservativer Therapie zurück. Außerdem traten beim Stenting viele periprozedurale Hirnblutungen auf. Wurden diese herausgerechnet, waren erneute Ischämien in beiden Gruppen etwa gleich häufig.

Dessen ungeachtet lässt sich für die PTAS mit Stenting unter Evidenz-basierter Sicht gegenüber dem konservativen Vorgehen kein Zusatznutzen nachweisen. IAE

Quelle: Chimowitz MI et al.: Stenting versus aggressive medical therapy for intracranial arterial stenosis, Zeitschrift: NEW ENGLAND JOURNAL OF MEDICINE, Ausgabe 365 (2011), Seiten: 993-1003

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