Deutsche Kohortenstudie | Neuro-Depesche 12/2016

Starker Vitamin-D-Mangel auch bei Schizophrenie und Autismus?

Zertifizierte Fortbildung

Verschiedene Studien haben Zusammenhänge zwischen einem Vitamin-D-Mangel und (neuro)psychiatrischen Erkrankungen gezeigt. Nun wurden in Freiburg die Serumkonzentrationen des Vitamins bei Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophreniformen und autistischen Formenkreis untersucht.

In die einjährige Kohortenstudie wurden 83 stationär (zumeist antipsychotisch) behandelte Erwachsene im Durchschnittsalter von etwa 33 Jahren eingeschlossen. Unter ihnen wiesen 60 eine Schizophrenie-Diagnose auf, 23 waren „high-functioning” Patienten mit Autismus (Asperger Syndrom etc.). Verglichen wurden die mit einem Chemilumineszenz-Immunassay bestimmten Spiegel an 25-Hydroxyvitamin D2/3 [25(OH)Vit.-D] mit denen einer deutschen Referenzkohorte des Jahres 1998 von 3917 gesunden Erwachsenen.
In der Gruppe mit schizophreniformer Erkrankung lagen bei 80% (n = 48/60) Vit.-D-Konzentrationen < 20 ng/ml vor, bei den Autismus-Patienten bei 78,3% (n = 18/23). Dem hingegen war ein derartig niedriger Vit.-D-Spiegel nur bei 57,3% der historischen Kohorte vorhanden. Der Unterschied war für die Schizophrenie-Gruppe signifikant (p = 0,001), für die Autismus-Gruppe lag dagegen nur ein Trend vor (p = 0,069). Deutlich größer war der Unterschied zwischen den Patienten und der Vergleichsgruppe in der Prävalenz eines schweren Mangels mit Vit.-D-Konzentrationen < 10 ng/ml: Sie lagen bei 38,3% bzw. 52,2% der schizophreniform und autistisch erkrankten Patienten vor, aber nur bei 16,3% der Kontrollen (Unterschied je p ≤ 0,001).
Die derzeit u. a. von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Vit.-D-Spiegel von > 30 ng/ml fanden sich lediglich bei 5% bzw. 8,7% der Schizophrenie- und Autismus- Gruppe, und bei 21,9% der Kontrollgruppe Gesunder.
Subgruppenanalysen im Hinblick auf Geschlecht, Medikationsstatus, Symptomschwere etc. ergaben in den Vit.-D-Spiegeln übrigens keine klinisch relevanten Unterschiede. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Das Vitamin weist zahlreiche vorteilhafte Eigenschaften wie immunmodulatorische, antiinflammatorische und neuroprotektive Effekte auf – und ein Mangel könnte das Auftreten psychiatrischer Erkrankungen erhöhen. So fand sich in einer Studie (2013) bei Kindern mit Vit.-D-Mangel eine um das 2,16- Fache erhöhte Wahrscheinlichkeit, an einer Schizophrenie zu erkranken. In einer finnischen Geburtskohorte hatte die Vit.-D-Gabe im ersten Lebensjahr das spätere Schizophrenie- Risiko um 77% reduziert, allerdings profitierten nur die Männer. Die Rolle von Vit. D sollte prospektiv, randomisiert, kontrolliert und geblindet untersucht werden – vor allem auch, ob sich psychiatrische Symptome durch eine Substitution bessern. Davon abgesehen legen die Resultate nahe, in diesen Patientengruppen häufiger Vit. D zu bestimmen und Mängel zu beheben.

Quelle:

Endres D etal.: Vitamin D deficiency in adult patients with schizophreniform and autism ... Front Psychiatry 2016; 7: 168. [Epub 6. Okt.; doi: 10.3389/fpsyt.2016.00168]

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