Psychogene Krampfanfälle | Neuro-Depesche 1-2/2016

Standardisierte Diagnose und Nachsorge bessern den Verlauf signifikant

Zertifizierte Fortbildung

Bei Patienten mit psychogenen nichtepileptischen Anfällen (PNES) mangelt es noch an einem standardisierten, evidenzbasierten diagnostischen und therapeutischen Vorgehen. Ein Ärzteteam verglich nun die Effekte dreier üblicher verschieden intensiver Betreuungsmaßnahmen, die keine erheblichen zeitlichen und sonstigen Ressourcen erforderten.

Von den 37 Patienten (30 Frauen) mit einem mittels Video-EEG-Monitoring bestätigten PNES waren 19 psychiatrisch vorbehandelt. 12 Patienten wurde die PNES-Diagnose durch den behandelnden Arzt mitgeteilt und ihnen geraten, sich in kommunalen Einrichtungen um psychologische Hilfe zu bemühen (Standard care). 10 PNES-Patienten erhielten eine strukturierte, schriftlich ausgearbeitete Diagnose und ein PNES-Handout, es wurde ein Konsil mit einem psychiatrischen Team durchgeführt (Structured Inpatient Feedback = SIF). 15 Patienten wurden wie die zweite Gruppe betreut, aber zusätzlich einmal wöchentlich angerufen und dabei nach ihrem Befinden und nach einer etwaigen Behandlung gefragt (Structured Ongoing Feedback= SOF).
Hauptstudienendpunkt war die Reduktion der PNES-Häufigkeit acht Wochen nach Krankenhausentlassung. Daneben wurden u. a. Veränderungen der Lebensqualität nach dem Quality of Life in Epilepsy – 10 Survey (QOLIE-10-P) und der Affektlage nach Beck Depression Inventory (BDI-II) dokumentiert. In der Standard-Care- Gruppe ergab sich in keinem Endpunkt eine signifikante Verbesserung. In der zweiten Gruppe nahm die monatliche PNES-Häufigkeit von 2,9 auf 1,7 (p = 0,005) ab, begleitet von einem deutlichen Anstieg der Lebensqualität (QOLIE-10-PZunahme von 19,4 auf 33,6; p < 0,001).
In der dritten Gruppe mit SOF, bei denen die Patienten zusätzlich wöchentliche Telefonanrufe erhielten, kam es neben einer Verringerung der PNES-Häufigkeit (von 2,9 auf 1,7/Monat; p = 0,001) und Besserung der Lebensqualität (von 21,7 auf 34,7 Punkte im QOLIE-10-P; p < 0,001) zu einer deutlichen Stimmungsverbesserung: Die Werte des BDI-II sanken von 23,7 auf 15,5 Punkte (p < 0,001). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Quelle:

Drane DL et al.: A standardized diagnostic approach and ongoing feedback improves outcome in psychogenic nonepileptic seizures. Epilepsy Behav 2016; 54: 34-39

ICD-Codes: F44.5

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