PET-Studie zu Faktoren des Alzheimer-Risikos | Neuro-Depesche 1-2/2016

ß-Amyloid-Last korreliert signifikant mit der Gehgeschwindigkeit

Zertifizierte Fortbildung

Eine verringerte Gehgeschwindigkeit älterer Menschen ist mit einer hohen Komorbidität an verschiedenen Krankheiten assoziiert. Bei praktisch asymptomatischen Älteren mit hohem Alzheimer-Risiko untersuchte jetzt die internationale MAPT/DSA Study Group die Relation zwischen regionaler ß-Amyloid (Aß)-Last in verschiedenen Hirnregionen und der Gehgeschwindigkeit. Die Fortscher fanden signifikante Zusammenhänge.

Die 128 Patienten im durchschnittlichen Alter von 76 Jahren, Teilnehmer des Multidomain Alzheimer Preventive Trial (MAPT) waren kognitiv unauffällig bis leicht beeinträchtigt. Sie wiesen keine manifeste Demenz auf, doch alle litten unter gewissen Gedächtnisproblemen. Sie unterzogen sich einem Gehgeschwindigkeitstest (4 m) und einer Aß-Bestimmung mittels 18F-Fluorbetapir- PET. Die regionale Aufnahmerate des Tracers wurde semiautomatisch quantifiziert mit dem Cerebellum als Referenz.
48,4% des Kollektivs wiesen eine Aß-Last in einem Ausmaß aus, wie es für Demenzkranke typisch ist (Standard Uptake Value Ratio [SUVR]: ≥ 1,17), 46,1% waren leichtgradig kognitiv beeinträchtigt (Clinical Dementia Rating [CDR]: 0,5). Interessanterweise lag die Gehgeschwindigkeit aber mit zwei Ausnahmen bei allen Studienteilnehmern im Normbereich (durchschnittlich bei 1,06 m/s).
Nach Adjustierung auf Alter, Geschlecht, Bildung, Body Mass Index und APOE-Genotyp zeigte die lineare Regressionsanalyse: Eine geringe Gehgeschwindigkeit war signifikant korreliert mit der Aß-SUVR im posterioren und anterioren Putamen, Okzipitalkortex, Precuneus und anterioren Zingulum (je p < 0,05), nicht aber in Hippokampus, Temporaloder Parietallappen.
In der erweiterten Multivarianzauswertung blieb nur die Relation zu posteriorem Putamen und Precuneus signifikant (p = 0,006 bzw. p = 0,002) – unabhängig vom CDR-Status. Der Einfluss der Aß-Last in diesen beiden Strukturen erklärte immerhin 7,7% bzw. 9,1% der Varianz in der Gehgeschwindigkeit. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Bisher weitgehend vernachlässigte körperliche Parameter wie die hier getestete Gehgeschwindigkeit können offenbar dazu beitragen, das Alzheimer-Risiko von älteren demenzgefährdeten Menschen früh einzuschätzen. Die funktionellen Zusammenhänge zwischen regionaler ß-Amyloid-Belastung (bzw. -Toxizität) und den motorischen und sensomotorischen Schaltkreisen sollten näher untersucht werden. Allerdings räumen die Autoren ein, dass a) die Studienergebnisse auf Querschnittsdaten beruhen und daher die Neumanifestation einer Demenz nicht erfassten und b) ein langsames Gehen natürlich auf sehr vielen anderen Ursachen beruhen kann.

Quelle:

Del Campo N et al.: Relationship of regional brain ß-amyloid to gait speed. Neurology 2016; 86(1): 36- 43

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