THC/CBD-haltiges Oromukosalspray in der SAVANT-Studie | Neuro-Depesche 1/2019

Spastik, Schmerzen und assoziierte Beschwerden deutlich reduziert - Lebensqualität erhöht

Aktuelle Praxisdaten belegen die Wirksamkeit eines Oromukosalsprays, das die beiden Cannabinoide Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) enthält, auf Spastik, Schmerzen, Schlafstörungen, Fatigue und die Lebensqualität von MS-Patienten. Darüber hinaus bestätigen auf einem Symposium von Almirall beim 91. DGN-Kongress präsentierte Real-World-Daten, dass das THC/CBD-Spray auch chronische neuropathische Schmerzen sowie assoziierte Depression, Angst und Stress lindern kann.

In der Sauerlandklinik, berichtete Dr. Markus Heibel, Sundern-Hachen, leiden etwa 70 % der MS-Patienten unter einer Spastik und damit häufig assoziierten Problemen wie Schlafstörungen, Schmerzen, Miktionsbeschwerden etc. Etwa 40 % sind von einer mittelschweren bis schweren Spastik betroffen. Medikamente der ersten Wahl sind Baclofen und Tizanidin, bei nicht ausreichender Symptomkontrolle kann zusätzlich das THC/CBD-Oromukosalspray gegeben werden.
Insgesamt wurden in der Sauerlandklinik von 2011 bis heute 550 meist fortgeschritten behinderte MS-Patienten (EDSS: 6,5) stationär oder ambulant mit dem THC/ CBD-Spray behandelt. Davon erwiesen sich 56 % mit einer deutlichen Reduktion ihrer Spastik als Responder - und konnten zunehmend auf die herkömmlichen Antispastika verzichten. Wie er in Berlin hervorhob, besserte sich u. a. auch häufig die Handfunktion. Die Patienten berichten z. B. „endlich wieder lesbar unterschreiben zu können“. Heibels Erfahrungen zufolge steigt unter der THC/CBD-Therapie die Lebensqualität der Patienten, und die Zahl der Krankenhausaufenthalte und ambulanten Behandlungen nimmt ab.
In einer Stichprobe von 100 auf THC/CBD ansprechenden Patienten (durchschnittlich 6,65 Sprühstöße/Tag) nahm die Spastik auf der Numerischen Rangskala (NRS) um durchschnittlich 3,23 Punkte ab. „Je stärker die Spastik, desto eher Responder“, fasste Heibel in Berlin knapp zusammen. Bei 67 % der MS-Patienten besserten sich unter dem Oromukosalspray die subjektiven Schlafstörungen, und die - stets als behandlungsschwierig geltende - Fatigue ging auf der Skala MUSIC um durchschnittlich 4,21 Punkte zurück.
Dass das THC/CBD-Spray auch bei chronischen therapieschwierigen bzw. behandlungsrefraktären Schmerzen wirksam ist, belegte PD Dr. Michael Überall, Nürnberg, anhand des PraxisRegisters Schmerz zu 1224 Patienten, die (im Mittel seit zwei Jahren) meist neuropathische (62 %) oder gemischte Schmerzen (30 %) aufwiesen. Alle Patienten hatten eine Cannabis-Medikation, darunter 800 THC/CBD erhalten. Innerhalb von 12 Wochen ergaben sich bei Letzteren gegenüber dem Ausgangsbefund jeweils signifikante (p < 0,001) Besserungen des 24-Std.-Schmerzindex (SIX), der schmerzbedingten Alltagsbeeinträchtigungen (nach mPDI), der körperlichen/ seelischen Lebensqualität (nach SF12) und des allgemeinen Wohlbefindens (nach MFHW) sowie der Depressivität, der Angst und des Stresses (nach DASS-D, -A bzw. -S). Darüber hinaus konnten die Patienten ihre Beschwerdedauer und Bedarfsmedikation reduzieren. Überall stellte klar, dass das Spray im Vergleich zur Cannabisblüten-Rezeptur die geringsten Tagestherapiekosten aufweist. mos

Quelle:

Sattelittensymposium„Cannabinoide in der Neurologie – Chancen & Risiken“, 91. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Neurowoche, Berlin, 01.11.2018. 

 

ICD-Codes: G35

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