Vor Auftreten einer Erstpsychose

Neuro-Depesche 11-12/2020

Soziale Probleme sagen manifeste Psychose und schlechte soziale Funktionen voraus

Zertifizierte Fortbildung
Es scheint ein Prodrom zu existieren, das mit einem hohen Risiko für eine erste psychotische Episode einhergeht. Die Gegenüberstellung von Hochrisiko-Patienten und gesunden Kontrollen deutet darauf hin, dass vorab bestehende soziale Probleme die Psychose-Manifestation und das weitere Outcome prädizieren könnten.
Unter 585 Teilnehmern der North American Prodrome Longitudinal Study (NAPLS2) befanden sich neben 236 gesunden Kontrollen (HC) 349 Psychose-Hochrisiko-Patienten (CHR). Unter letzteren entwickelten innerhalb von 24 Monaten 79 eine Psychose (Konvertierer: „C“) und 270 nicht (Nicht-Konvertierer: „NC“). Die 79 konvertierten Probanden wurden weiter unterteilt in jene 39, bei denen nach dem „Global Functioning: Social“ und dem „Global Functioning: Role“ vor Studienbeginn schon eine (über das typische Niveau hinausgehende) soziale Funktionseinschränkung bestand (CHR C+SD), und jene 40, bei denen dies nicht der Fall war (CHR C-SD). Das Durchschnittsalter betrug ca. 18 Jahre, zwei Drittel waren männlich.
 
Mit versus ohne Psychose
Der Funktionsstatus unterschied sich stark: Während die Risikopatienten ohne spätere Psychose (NC) zu 36,3 % eine schlechte soziale Funktion und zu 42,2 % eine schlechte soziale Rollenfunktion aufwiesen, war dies bei 50,0 % bzw. 67,5 % der konvertierten Patienten ohne initial bestehende soziale Probleme (CHR C-SD) der Fall. Am prägnantesten fielen die beiden Parameter bei den konvertierten Probanden mit initial bestehenden sozialen Problemen (CHR C+SD) aus: Sie wiesen zu 76,9 % (s. Abb.) eine schlechte soziale Funktion und sogar zu 89,7 % eine schlechte soziale Rollenfunktion auf.
 

 

Die Defizite halten an
Diese Unterschiede erweisen sich als anhaltend: Während sich die C-SD-Gruppe nach 12 Monaten im sozialen Funktionsniveau den Nicht-Konvertierten (NC) annäherte, blieb dieses in der C+SD-Gruppe signifikant niedriger als in den anderen Untergruppen. Bei 77 % wurde jetzt die soziale Funktion und bei 90 % die soziale Rollenfunktion als schlecht bewertet. Nur eine Minderheit zeigte am Ende ein gutes funktionelles Outcome. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar
Soziale Probleme in der mittleren bis späten Adoleszenz sagen bei Hochrisiko- Personen die Manifestierung einer Psychose und die Persistenz der sozialen Beeinträchtigungen voraus. Dies bietet einen wichtigen Ansatzpunkt für präventive Maßnahmen.
Quelle: Carrión RE et al.: Social decline in the psychosis prodrome: Predictor potential and heterogeneity of outcome. Schizophr Res 2020; S0920-9964(20) 30464-3 [Epub 30. Okt.; doi: 10.1016/j.schres. 2020.09.006]
ICD-Codes: F20.9

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